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Münsterländer helfen im Ahrtal

Fassungslos und bedrückt klingt Tom Kliewe, als er am Telefon von der Situation vor Ort  in Walporzheim erzählt. In dem Stadtteil von Bad Neuenahr-Ahrweiler ist auch ein halbes Jahr nach der verheerenden Flutkatastrophe keine Normalität in Sicht.

„Hier fährt gerade ein Tankwagen vorbei an mir, durch den Matsch, in dem ich stehe. Der bringt Wasser“, sagt Tom Kliewe.

Am Montagmorgen hatte sich der Beckumer Gastronom gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Maurizio Casu auf den Weg ins Ahrtal gemacht. Drei Tage möchten die zwei für die Menschen vor Ort frische Mahlzeiten zubereiten.

Im Baustoffzelt Kaiser, dem großen Materiallager des Ortes für Unversicherte mit zusätzlicher Essensausgabe, greifen Kliewe und sein Kollege den Helfern vor Ort unter die Arme: „Wir haben Freunde, die hier leben. Zwar haben wir schon einiges an Geld gespendet, aber selber vor Ort zu helfen, ist nochmal was ganz anderes.“

Auch ein halbes Jahr nach der Flutkatastrophe sieht es vielerorts noch schlimm aus im Ahrtal. Foto: Tom Kliewe

Im strömenden Regen erreichten Kliewe und Casu das Baustoffzelt Kaiser, das bei Facebook stets aktuell über die Lage vor Ort berichtet.

In Beckum hatte Kliewe den Wagen mit frischem Gemüse, Lebensmittelspenden einer münsterschen Metzgerei und Bier- und Wasserspenden zweier lokaler Brauereien gefüllt. Wolfgang Tolle, ehrenamtlicher Helfer und Leiter des Versorgungszeltes Kaiser, zeigte ihnen die umliegende Gegend und das „Hotel Mama“. Dort dürfen auswärtige Helfer kostenfrei übernachten, obwohl die Inhaber selbst von der Flut betroffen sind.

Kochen für 100 Helferinnen und Helfer: Maurizio Casu (3.v.l.) und Tom Kliewe (4.v.l.) mit der Küchencrew von Walporzheim. Foto: privat

Im Ahrtal wird mit viel Engagement weiter angepackt: Die Arbeiter siedeln zurzeit das Materialspendenzelt Kaiser um. Am 6. Februar wird es im benachbarten, höher gelegenen Ort Grafschaft Ringen wiedereröffnet.

Für all die fleißigen Helferinnen und Helfer, die seit Monaten freiwillig tätig sind und nun den Umzug des Materialzeltes stemmen, bereitete Kliewe den ganzen Montag über einen Festschmaus zu: Wildschweinbraten mit frischem Rotkohl und Klößen.

Man müsse sich mal vorstellen, sagt der passionierte Gastronom, dass die meisten Menschen immer noch kein fließendes Wasser hätten, von Kochmöglichkeiten ganz zu schweigen. Sein Kollege Maurizio Casu ist ebenfalls tief bewegt von den ersten Eindrücken und den Gesprächen mit den Betreoffenen. Schon nach einem Tag steht für den 38-Jährigen fest: „Ich werde definitiv nochmal wiederkommen und den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern.“

„Wenn man die zerstörten Häuser sieht, von denen nur noch rohe Balken über sind, und wenn man mit Menschen spricht, die mit dem Leben davon gekommen sind, ist das natürlich sehr, sehr bedrückend. Umso schöner, wenn wir ein kleines bisschen helfen können“, sagt Kliewe, während er beobachtet, wie sich gegen 18 Uhr das Versorgungszelt mit Menschen füllt, die zum Abendessen kommen.

Coronabedingt läuft sein eigener Betrieb Westfälischer Hof in Beckum dieser Tage auf Sparflamme. Es herrscht weiter Kurzarbeit. Kliewe, der stets versucht, sein Credo „munter bleiben“ zu beherzigen, gewinnt dem etwas Gutes ab: So habe er ein paar Tage Zeit, leckere münsterländische Küche für die hiesigen Helferinnen und Helfer zuzubereiten.

„Wir hatten in den letzten beiden Jahren selber so viel Zuspruch und so viel Unterstützung von unseren Gästen. Da möchte man einfach etwas zurückgeben.“ Vor allem wolle er mit seiner Aktion dazu beitragen, dass die prekäre Lage der Flutopfer nicht vergessen werde.

Was für eine unglaublich tolle Aktion!

Text: Miriam Lethmate | Fotos:privat/Tom Kliewe

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