
Während man sich im Supermarkt regionale Produkte oft umständlich aus verschiedensten Regalen zusammensucht, findet man im neuen Laden der Feinkostfleischerei Hidding nichts anderes! Die Filiale im Hansaviertel Münster bietet ausschließlich Lebensmittel aus dem Münsterland, aus maximal 20 Kilometern Umgebung, an.
Allein das wäre schon Grund genug, dort überwiegend einkaufen zu gehen, es gibt aber noch eine zweite Neuerung: die Umgestaltung zum Hybridstore. Montags bis freitags werden die Kundinnen und Kunden von 7 bis 11 Uhr fachlich bedient, von 11 bis 22 Uhr und am Wochenende ist der Laden dann mit EC-Karte zugänglich und man kann sich in Selbstbedienung in aller Ruhe versorgen. Einfach die ausgesuchten Waren selbst scannen, mit digitaler Zahlungsmethode bezahlen und ab nach Hause – besser noch zum Grillabend, zur Party oder zum Picknick am Kanal.
Mit Inhaber Thomas Hidding habe ich mich zur Eröffnung getroffen und einen Blick in das umgebaute Ladenlokal an der Dortmunder Straße geworfen, das 2018 von der Fleischerei Erpenbeck übernommen worden war. Der Familienbetrieb Hidding, ansässig in Nordwalde und auch mit drei Filialen in Münster vertreten, legt größten Wert auf Regionalität. Daher war vor der Renovierung schon klar, dass sich auch das Angebot ändern würde: an sieben Tage pro Woche einhundert Prozent Münster und Münsterland.
„Die Filiale ist der kleine regionale Nahversorger für die Nachbarschaft, denn es gibt jetzt viel mehr Produkte als nur Fleisch und Wurst. Alles kommt aus Münster oder maximal 20 Kilometern Umgebung, weil Regionalität uns besonders wichtig ist“, sagt Thomas Hidding. Er ist Betriebswirt und Fleischermeister, führt den 1931 in Nordwalde gegründeten Familienbetrieb mit seinen Schwestern Christiane und Andrea Hidding.
„Jetzt war Zeit für was Neues. Tante Emma etwas anders gedacht“, erklärt Thomas seine Idee. Das Sortiment wurde um rund 150 Artikel aufgestockt, die eigenen Fleisch- und Wurstprodukte sind natürlich weiterhin erhältlich. Von Saft, Käse, Marmelade und Honig über Eier, Kartoffeln, Brötchen oder Müsli bis hin zu Süßigkeiten, Eis, Milchprodukten, Bier und Brotbackmischungen reicht das Angebot.
Ich verstaue direkt einiges in meinem Einkaufskorb: Holundersaft von Grothues-Potthoff aus Senden, Zwiebelbrot-Backmischung von Schulze Westerhoff aus Havixbeck, Pesto von Grüner Strauch aus Borken, Limo von Töftes aus Emsdetten. Diese Familienbetriebe sind, ebenso wie die Fleischerei Hidding, mit dem Münsterland-Siegel ausgezeichnet, da sie ihre Produkte im Münsterland herstellen.
Auch Hiddings Fleisch- und Wurstwaren tragen dieses Siegel, da alle Produktionsschritte im Münsterland stattfinden. Das Fleisch stammt von Tieren aus der Region: Nordwalde, Emsdetten, Münster. Kein Anfahrtsweg zu den fünf Höfen ist länger als 30 Kilometer. Die handwerkliche Schlachtung findet im eigenen Betrieb statt, ebenso wie die Verarbeitung nach alten Familienrezepten.
Im Betrieb werden also Traditionen aufrechterhalten, doch gleichzeitig ist Thomas stets offen für neue Konzepte. Seit einigen Jahren werden beispielsweise einige der veganen und vegetarischen Lupinenprodukte von Eickenbecks Hofgenuss in Nordwalde produziert. Bei einem Münsterländer Picknick – die Fleischerei bietet auch Catering an, problemlos auch vegetarisch – durfte ich schonmal einen Frühlingssalat mit Eickenbecks Lupinentalern probieren. Absolut köstlich!
„In unserer Theke liegt neben dem küchenfertigen Schnitzel auch das vegane Thai-Curry. Außer Frischgemüse und Fisch bekommen die Kundinnen und Kunden alles, was sie fürs Frühstück oder Grillen brauchen“, sagt Verkaufsleiterin Christiane Hidding. Außerdem könne man Bestellungen für den nächsten Tag morgens beim Personal aufgeben: „Wir sind da ganz flexibel. Wer mag, kann gerne ein Abo für das tägliche Schnitzelbrötchen oder Mittagessen abschließen.“
Am Eröffnungstag schauen viele Stammkund:innen und Neugierige herein. Eine ältere Dame befürchtet, beim selbstständigen Kassieren etwas „kaputt zu machen“. Doch Fleischermeister Marcus Uhlenbrock steht beratend an der Selbstbedienungskasse, gibt Tipps und zeigt, wie einfach der Bezahlvorgang funktioniert: Korb abstellen, jedes Produkt scannen, am Ende auf „Bezahlen“ tippen und Karte präsentieren. „Zur Not tippen Sie auf ,Abbrechen’“, sagt Marcus lachend. Die Dame guckt ganz überrascht, als der Einkauf flugs getätigt ist, und versichert, beim nächsten Besuch ohne Hilfe klarzukommen.
Ein Stammkunde, der gerne ein Pläuschchen mit den Angestellten hält, zeigt sich ebenfalls flexibel, als er hört, dass das Personal ja täglich bis 11 Uhr vor Ort ist. „Dann komme ich einen Tacken eher, kein Problem. Hauptsache, ich werde weiter so gut zu meinem Mittagessen beraten.“
Fertig zubereitete Suppen, Eintöpfe und Salate aus eigener Herstellung gehören zur Auswahl, ebenso deftig belegte Brötchen, die mittags in Selbstbedienung gekauft werden können. Marcus zeigt dem Kunden die Auslage, erklärt kurz die Kasse, empfiehlt das Nackensteak. „Die Rezeptur dafür ist schon 50 Jahre alt, das wissen die Kundinnen und Kunden sehr zu schätzen.“
Der Fleischermeister freut sich besonders über ein neues Produkt im Sortiment: Münsterländer Honig aus Horstmar, den der Hobby-Imker selbst hergestellt hat. „Dat_nina_imkert“ lautet der Untertitel, denn Marcus‘ Lebensgefährtin ist als „dat_.nina“ erfolgreich bei Instagram unterwegs. Bei seinen fünf Völkern Buckfast-Bienen entspannt Marcus nach der Arbeit. Zudem hält er mit der eigenen Hobby-Imkerei das Andenken an seinen Opa aufrecht, der vor 60 Jahren den ersten Uhlebrock’schen Honig produzierte.
Eine Kundin, die interessiert zugehört hat, nimmt sich direkt ein Glas Honig und fragt Marcus: „Aber wenn keiner im Laden ist, wer macht mir denn dann auf?“, „Ihre EC-Karte“, sagt Marcus lachend. Das Lesegerät an der Eingangstür – auch kompatibel mit jedem digitalen Bezahlmedium – läuft von 6 bis 7 Uhr und 11 bis 22 Uhr, so dass jeglichem Spontankauf nichts im Wege steht.
„Wie gut, dass man mittlerweile so ans bargeldlose Bezahlen gewöhnt ist. Handy und Karte, ohne gehe ich ja nicht aus dem Haus“, sagt die Kundin, während sie ihre Waren scannt.
Mit dem Konzept des Hybridstores wirkt Thomas Hidding auch dem allgegenwärtigen Personalmangel entgegen: Auf diese Weise kann er den Laden problemlos halten und bietet den Kundinnen und Kunden noch einen Mehrwert durch die langen Öffnungszeiten, das schnelle Bezahlen – und den Vertrauensbonus, ohne den es trotz Kameraüberwachung nicht funktioniert. Tante-Emma-Laden 2025 eben, digital und mit Vertrauen zu den Kundinnen und Kunden aus dem Viertel, die oft schon seit Jahren hier einkaufen.
Öffnungszeiten: MO bis FR, 7-11 Uhr, mit Personal. MO bis SO, 6-22 Uhr, mit digitalem Zugang.
Text und Fotos: Miriam Lethmate

