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Eine Kaline für die Heimat Heroes

Nele Böttcher mit dem Grundprodukt für den Aperitif "Kaline"
Prof. Christof Wetter, Nele Böttcher, Frank Wigger und Björn Bochinski stellen das neue Projekt "Kaline" vor.

Wenn eine Praktikantin noch vor dem ersten Arbeitstag das Konzept für ihr eigenes Produkt in Händen hält, muss die Chemie wohl stimmen. Nele Böttcher wollte eigentlich ein wenig Praxiserfahrung für ihre anstehende Bachelor-Arbeit sammeln, ging also mit vielen Fragen und Ideen zum Vorstellungsgespräch bei den Heimat Heroes – und beendete es mit dem Plan für einen brandneuen Frühlingsdrink.

„Das war ein bisschen viel zu gut, um wahr zu sein. Es gibt einfach tolle Zufälle!“, sagt Nele, als wir uns im Schnapsstore an der Wolbecker Straße in Münster treffen. Die Oecotrophologie-Studentin an der FH Münster ergänzt nun seit April als Praktikantin das Team der Heimat Heroes, bringt mit ihrem Fachschwerpunkt Marketing in der Lebensmittelwirtschaft viel neuen Input.

Zu dem Spirituosenhersteller verschlug es die 24-Jährige, weil sie sich seit jeher für regionale Lebensmittel begeistert, und sie Björn Bochinski, einen der drei Inhaber der Heimat Heroes, von ihrer Tätigkeit im Gievenbecker Hotel Bakenhof kannte. Die Praktikumsbewerbung kam also wie gerufen.

„Wir wollten im April ohnehin ein neues Produkt kreieren. Etwas Frühlingshaftes, Fruchtig-Florales. Gemeinsam mit Nele sind wir schnell auf die schöne Idee gekommen, dass sie den gesamten Produktionszyklus im Praktikum begleiten kann“, sagt Björn.

Trinken zu Forschungszwecken also? Das würde sich wohl so manche/r Studierende wünschen. Na von wegen – zum Projekt gehören die Konzeptionierung und Marktanalyse oder kreative Aufgaben wie das Mitentwickeln des Etiketts. Der Produkt-Launch und Verkauf des neuen Obstbrandes sollen sich im Frühsommer anschließen, das Marketing läuft bereits. Das Wichtigste ist natürlich die Grundrezeptur. „Die haben wir schon ausgearbeitet: Es wird ein floraler Aperitif-Likör“, sagt Björn.

Das klingt alles total spannend, aber auch nach viel Arbeit. „Habt ihr denn Hilfe von einer Marketing-Agentur?“, will ich wissen. Björn zögert keine Sekunde und sagt lachend: „Wie, Agentur?! Nele haben wir!“

Abgesehen vom Geschmack – was ist das Wichtigste an einem neuen Produkt? Klar, der Name. Dieser ist bereits beim Patentamt angemeldet und bringt Neles Bedeutung für das ganze Projekt auf den Punkt: Kaline. Das Masematte-Wort für „Mädchen“ passt perfekt zum eigenen Produkt der fröhlichen Münsteranerin und natürlich zum regionalen Gedanken.

Nele wird alle Ergebnisse in ihre Bachelor-Arbeit einarbeiten und dem Projekt dergestalt nicht nur zu Bekanntheit bei ihren Kommilitoninnen und Kommilitonen, sondern auch zu wissenschaftlicher Anerkennung verhelfen. Unterstützung bekommt Nele von Prof. Dr. Christof Wetter vom Fachbereich Energie-Gebäude-Umwelt an der FH Münster mit Standort Steinfurt, der als Zweikorrektor bei der Bachelorarbeit fungiert.

Beim Treffen im Schnapsstore beginnen die Food-Enthusiasten sowohl zu schwärmen als auch Erfahrungen auszutauschen. Dass das schöne Münsterland manchmal nämlich ein sprichwörtliches Dorf ist, zeigt die Begegnung von Christof mit den Heimat Heroes bei einem privaten „Herrengedeck-Tasting“ in ihrem Schnaps Store.

„Wir haben über Trinkanlässe, die Craft Spirit Awards in Berlin und Obstbrände gefachsimpelt. Und dann sagte Christof, dass er die Rothaarbrennerei führt und das schrie natürlich nach einem gemeinsamen Projekt“, sagt Frank.

Als das Gespräch zudem darauf kam, dass Christof ein Kollege und guter Freund von Prof. Dr. Guido Ritter ist, seinerseits Leiter an der FH Münster am Institut für Nachhaltige Ernährung sowie Food Lab und somit ein Professor von Nele, schloss sich der Kreis. Der Zweitkorrektor ihrer Bachelor-Arbeit war gefunden.

Christof und Guido verbindet ein Vierteljahrhundert gemeinsamer Interessen: Ab dem Jahr 2000 arbeiteten sie am zusammen am Forschungsschwerpunkt der nachhaltigen Nutzung von Lebensmitteln und der Lebensmittelabfall-Vermeidung. Parallel wurde ein Verein zur Bio-Ethanol-Herstellung durch regionale Brennereien gegründet.

„Reste aus der Weinherstellung kann man zum Beispiel verwerten, um Einzellerproteine herzustellen“, erzählt Christof beim Treffen im Schnapsstore, bei dem auch Frank Wigger von den Heimat Heroes Christofs großes Fachwissen im Bereich Spirituosen lobt. Dieses hat seine Wurzeln im Rothaargebirge, da Christof neben seiner Tätigkeit an der FH dort die väterliche Brennerei betreibt.

Christof, Nele und Frank auf der Exkursion in Bad Berleburg. Foto: Nele Böttcher

Die Geschichte zur Rothaarbrennerei Wetter aus Bad Berleburg passt perfekt ins Konzept der Heimat Heroes. Auch diese haben sich Kooperationen mit Lokalhelden auf die Fahnen geschrieben, um so die Region zu vernetzen und zu fördern. Der Betrieb aus Schöppingen mit Schnapsstores in Münster und Ahaus produziert alle Spirituosen im Münsterland und ist daher mit dem Münsterland-Siegel ausgezeichnet. Der regionale Gedanke liegt auch Christof sehr am Herzen, so wachsen zum Beispiel alle Früchte für seine Brände am heimischen Hang. Und zwar auf einer Wiese, die 40 Jahre lang Weihnachtsbäume beherbergte.

Auf die Frage an einen Förster, ob man daraus eine Streuobstwiese machen könne, erhielt er die ernüchternde Antwort: „Hier? Hier wird gar nix wachsen.“ Der Frost vom Berg werde die Blüten zerstören. Christof ließ sich nicht entmutigen, recherchierte nach Spätblühern, setzte in die oberste Reihe frostresistente Vogelbeeren zum Schutz gegen die Kälte. Und siehe da: Apfel-, Birnen-, Pflaumen- und Mirabellenbäume gediehen wunderbar.

Beim Planungstreffen im Schnapsstore ergeben sich so viele Gemeinsamkeiten, dass Christof Nele und die Heimat Heroes direkt zu Besichtigung und Tasting nach Berleburg einlädt, um den neuen Aperitif auf den Weg zu bringen.

Die Kaline soll Noten von Holunderblüten und Äpfeln erhalten, also ist Christofs Apfelbrand die perfekte Grundlage, zumal er dieses Jahr sogar die Silbermedaille der Craft Spirits Awards in Berlin erhielt.

Nele kann nicht nur bei der Produktentwicklung, sondern auch bei den Veranstaltungen wie Food-Pairings viele eigene Erfahrungen einbringen, arbeitete sie doch jahrelang an einem Käsestand auf dem Wochenmarkt Münster, liebt es, gutes Essen mit dem passenden Getränk zu verknüpfen und brannte im Food Lab schon eigenen Calvados. „Die Liebe zur Region und zum Genuss hat man Nele im Gespräch sofort angemerkt, daher passt sie super in unser Team“, sagt Björn.

Am 15. Juni wird der Kaline bei einem bekannten münsterschen Lokalhelden der rote Teppich ausgerollt: Der Release findet im Rahmen einer Skate Aid-Veranstaltung statt. Sobald die Kaline im Handel erhältlich ist, gebe ich euch über Instagram und Facebook des Münsterland-Siegels Bescheid. Den ersten Schluck trinke ich persönlich auf eine Bestnote für Neles Bachelor-Arbeit!

Auf der Exkursion wurde nachhaltig verkostet. Foto: Nele Böttcher

Text und Fotos (wenn nicht anders ausgewiesen): Miriam Lethmate

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