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Spargel- und Erdbeerhof Spielbrink

Wilhelm Spielbrink mit Hofhund Bobby
Blick auf den Hof Spielbrink vom Erdbeerfeld aus

Eine Henne flattert aufgeregt um ihre Kükenschar herum, als die Kleinen unkoordiniert versuchen, den Schotterweg Richtung Zaun zu überqueren. Im abgetrennten Bereich liegen, halb schlafend im saftig hohen Gras, zwei Rehe und ein Hirsch. Und von der anderen Seite des Hofes vernimmt man das Quaken der Frösche im Kanon. Herzlich willkommen im Landidyll des Hofs Spielbrink in Münster-Dorbaum! 

Ich bin wegen eines runden Geburtstags zu Besuch: Seit bereits 60 Jahren baut die Familie Spielbrink Spargel an. Damit war Wilhelm Spielbrinks Vater ein echter Pionier im Münsterland, denn regionaler Spargel kam Mitte der 60er Jahre quasi nur aus Füchtorf. Der Hof in Dorbaum betrieb konventionelle Schweinemast, viel Ackerbau und Lohnarbeiten für benachbarte Höfe. Klingt eigentlich nach ausreichend Arbeit, oder?

„Mein Vater ist auch nur durch Zufall zu dieser Sonderkultur Spargel gekommen“, erzählt Wilhelm Spielbrink. Ein Nachbar besaß eine kleine Gärtnerei, brachte ein paar Pflanzen rüber und die Idee war geboren. Learning by doing war gefragt, da es kaum Bauern für den Austausch gab. „Das kam erst in den 80er Jahren. Auf den ersten Versammlungen der Spargelbauern saß mein Vater mit zehn Leuten, später waren es dann plötzlich zweihundert.“

Das Geschäft lief von Beginn an gut, auch dank der nachbarschaftlichen Hilfe aus Dorbaum. Neulich, so erzählt Wilhelm schmunzelnd, habe er ein älteres Ehepaar in seinem Hofladen getroffen, das ihm von den sowohl anstrengenden als auch schönen Erntezeiten in den 70er Jahren erzählte. Auch viele Schülerinnen und Schüler besserten damals so ihr Taschengeld auf.

Heute leben mehrere Rumäninnen und Rumänen in Unterkünften auf dem Hof, die Spargel und Erdbeeren ernten. Denn anscheinend hat Wilhelm die Spontaneität seines Vaters geerbt: Letztes Jahr kaufte er Erdbeerpflanzen, nachdem er sich beim münsterschen Kollegen Stephan Bäcker ein paar Tipps geholt hatte, und funktionierte eine Brachfläche zu Erdbeerdämmen um – 60 Jahre Spargelanbau und gleichzeitig Premiere für die Dorbaum-Erdbeeren.

Süß und saftig sind sie, wenn auch nicht jeder Strauch gleichmäßig voller Früchte sitzt. „Ich scheue mich nicht, Dinge einfach auszutesten. Mal klappt es, mal nicht“, sagt Wilhelm lachend. Dass man Unkraut nicht unbedingt wegflämmen sollte, weil dann auch der Ertrag kaputt geht, hat er anhand eines kleinen Stückchens Erdbeerfeld gelernt. Gegen das Unkraut half schlussendlich ausrangierte Kürbisfolie, zudem stattete Wilhelm das Feld mit einer neuen Bewässerungstechnik aus.

Die langen Reihen Spargeldämme liegen unter gleißender Folie, warten auf die heutige Ernte. Drei Helfer seien gestern Abend spontan abgesprungen, erzählt Wilhelm enttäuscht. Die Frauen arbeiteten sehr zuverlässig, aber drei Ausfälle auszugleichen schaffe man nicht mal eben. Doch der 53-Jährige ist nicht nur bodenständig und sympathisch, sondern auch sehr zuversichtlich: „Jeder Tag hält neue Überraschungen bereit.“

Mich beeindruckt seine Abgeklärtheit, trägt er doch die gesamte Verantwortung für den Hof. Schon als Junge wollte er den elterlichen Betrieb irgendwann übernehmen. Die drei Schwestern gingen andere Wege, so dass es keine Streitigkeiten geben konnte. Zwar gestaltete sich die Betriebsübergabe nach dem Tod seines Vaters doch etwas länger als geplant, da seine Mutter nicht gut loslassen konnte, wie Wilhelm halb lächelnd erzählt, aber letztendlich bereue er die Übernahme keineswegs. Nun führt er den Familienhof in sage und schreibe 16. Generation.

„Natürlich macht man sich immer Gedanken um die Wirtschaftlichkeit. Und wenn ich heute zurückblicke, hätte ich mir in meiner Jugend auch mal Freizeit gönnen sollen. Aber der Hof ging vor.“ Seit er 16 Jahre alt war, hatte er den Hof mit seinen Eltern allein bewirtschaftet – neben der landwirtschaftlichen Ausbildung auf einem Betrieb in Vechta: in enormes Arbeitspensum.

Dafür blicke er heute nicht nur auf die reinen Zahlen, sondern auch auf den Gemeinsinn und versuche zumindest, seine Freizeit ein wenig mehr zu genießen. „In meiner Jugend war ich ein einziges Mal mit Freunden auf einer Maitour. Sowas sollte ich jetzt öfters machen. Aber ob das klappt?“

Kraft und Erdung zieht der vierfache Vater aus seiner Familie und seiner Arbeit mit verschiedenen tierischen Hofbewohnern. Während die Frösche weiter inbrünstig quaken, laufen wir zum Damwildgehege, in dem eine Herde mit 14 Tieren lebt. Scheu laufen die Rehe zur Futterkrippe, als wir uns nähern. Bis auf eine Rehkuh, die ein wenig behäbig ist. Kurz darauf flitzen kleine Jungs und Mädchen zum Zaun, beobachten die Tiere andächtig. „Ist irgendein Reh hier schwanger?“ fragt ein stupsnasiger Fünfjähriger. „Bestimmt, so dick wie das da ist“, sagt Wilhelm lachend.

Wild habe es schon gegeben, als sein Opa den Hof bewirtschaftete. Dessen Hobby war das Jagen, so dass Wildfleisch vom Hof eine altbekannte Spezialität ist.

Regelmäßig besuchen Kita-Gruppen den Bauernhof, auch Klassenfeiern können hier ausgerichtet werden. „Das ist mir ein echtes Anliegen, Kindern das Thema Bauernhoftiere und Landwirtschaft zu zeigen. Hier können sie hautnah dran sein.“

Ebenso wie Gäste, die mit dem Wohnmobil anreisen: Der Hof in der Landvergnügen-App gelistet. Der Stellplatz liegt direkt am Tiergehege, wer also den morgendlichen Weckruf des Hahns nicht scheut, erlebt hier echte Bauernhofidylle. Der Stellplatz ist nach Landvergnügen-Philosophie kostenfrei, als Ausgleich werden die Gäste gebeten, im Hofladen einzukaufen.

Neben dem Damwild und Rothirschen wohnt auch eine kleine Schafherde gegenüber des Erdbeerfeldes. Alle Tiere dürfen gestreichelt und gefüttert werden – wenn sie es zulassen. Zur Hühnerschar kam Wilhelm übrigens wie zu den Erdbeeren eher durch Spontaneität. Ein Bauwagen stand bereits auf der Wiese zwischen den beiden Wildhegen und wie es der Zufall wollte, hatte ein Bekannter Hühner abzugeben. So zog auch auf die dritte große Fläche Leben ein. Wildwieseneier und Wildfleisch werden natürlich im Hofladen verkauft.

Dorthin zieht es mich besonders, da ich das regionale Angebot immer sehr zu schätzen weiß und mich freue, Neues zu entdecken. Auf dem Hof Spielbrink, der mit dem Münsterland-Siegel ausgezeichnet ist, bin ich da an der richtigen Adresse. Das Siegel zeigt, dass die Lebensmittel nachweislich aus der Region stammen, also hier geerntet oder produziert wurden.

Eine reichhaltige Auswahl an weißem und grünem Spargel säumt den Kassenbereich, Erdbeeren und verschiedene Sorten frisches Gemüse empfangen mich und meinen Einkaufskorb am Eingang, weiter hinten sehe ich große Laibe frisch gebackenen Brots, das vom münsterschen Hof Renfert-Deitermann stammt.

Gerade schaut ein Bekannter von Wilhelm herein, die beiden machen es sich an einem Tisch vorm Hofladen gemütlich. Am Wochenende können die Besucherinnen und Besucher hier auch die hausgemachten Kuchen von Wilhelm und seiner Lebensgefährtin Maren genießen. Vor allem Radfahrerinnen und Radfahrer, die an der den Hof umfließenden Werse unterwegs sind, nutzen diese willkommene, mit frischen Leckereien ausgestattete Raststätte. Als ich dann auf einem Holzboard noch alle Sorten des „Paula Pumpernickel“-Likörs entdecke, wird mein Einkauf perfekt abgerundet.

Bei meiner Abfahrt sehe ich die Kükenschar leider nicht mehr, dafür schreitet der Hirsch in einigem Abstand bedächtig über die Weide, als ich die ersten süßen Erdbeeren futtere – an meinem perfekten Landidylltag.

Öffnungszeiten Hofladen: Mo bis Fr von 9 bis 19 Uhr und Sa, So & feiertags von 8 bis 20 Uhr.

Text und Bilder: Miriam Lethmate

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