Die Seele des Westfalen filetiert – ein Abend mit den Bullemännern

Wenn Heini, ein Teil der begnadet bekloppten Bullemänner, vom Schmacht seines Vaters erzählt, geht es um Entenhaut mit Badekappen-Charakter. Trotzdem, dem Vater schien´s zu schmecken, denn das einzige und zugleich höchste Urteil lautete: „Jo, bleibt drin.“

Da waren die Gäste der ausverkauften Premiere auf Burg Vischering um einiges euphorischer. Schließlich durften sie das wunderbar bissige Kabarett-Programm der Bullemänner ebenso genießen wie Häppchen und Getränke, die mit dem Münsterland-Siegel ausgezeichnet sind.

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Das Vokabular von Heinz Weißenberg (l.) und Augustin Upmann gibt etwas mehr her als das des Durchschnitts-Westfalen. Jenes lautet: jau, nä, eh-eh (wahlweise Schulterzucken) und ´schüss.

Dazu gehörten Laugenkonfekt und Schnittchen von Geiping, Liköre und Säfte von Haus Hall, Mineralwasser von Salvus sowie das Bier mit dem Plopp aus Oelde. Jörg Pott begrüßte dann auch die 200 Gäste und wurde zur Pause hin von Heinz Weißenberg mit blonder Perücke, Mörder-Highheels und russischem Akzent gefoppt: „Raus, ihr Steverratten, es gibt Suppe von Pott′s … lauwarm.“

Die Idee hinter der Zusammenarbeit mit den Künstlern Heinz Weißenberg, Augustin Upmann und Svetlana Svoroba sowie dem Kreis Coesfeld als Veranstalter erklärt Dr. Jürgen Grüner, Geschäftsführer des Münsterland-Siegels: „Die Bullemänner sind, wie die Lebensmittel mit dem Münsterland-Siegel, ein Stück Heimat. Wenn dann das Programm noch Schmacht heißt, was liegt dann näher als eine Kooperation mit den Bullemännern?“

Markus Kleymann von der Kulturabteilung des Kreises lud bei der Begrüßung zudem alle Gäste ein, das neue Museum auf Burg Vischering zu besuchen, das am 4. Februar eröffnet wird.

Den kulinarischen Abend belohnten die 200 Premieren-Gäste mit langem Applaus, viel Gelächter – und geleerten Flaschen sowie Tabletts. Man muss ja auch Appetit bekommen, wenn „Chicken Hubert“ – der Legende nach einer der ersten, die das Siegel erworben haben – inbrünstigst, um nicht zu sagen geifernd, die „Wings of Change“ besingt.

Denn es ist ja ganz einfach: „Wat die Welt zusammen hält, dat sind Hääääähnchen.“ Zwischen den „Hääääähnchen“-Ausbrüchen ermutigte Augustin Upmann ganz emphatisch sein Publikum: „Weinen Sie, wenn Sie müssen.“ Ja, die Scorpions sollten vor Neid erblassen und direkt eine Tonne Chickenwings aus dem Münsterland ordern.

Zu einem gelungenen westfälischen Mahl gehört unverzichtbar auch der Korn, grandios blind verkostet von Heinz Weißenberg. Die erste Flasche war ganz klar nicht von hier, das konnte man schon beim Blickkontakt erkenne. „Das Korn ist auf Torfboden im Emsland gewachsen. Der wird modrig auf der Zunge. Dat is´ Karnickelpisse!“

Am Ende durfte er aber einen Kernmünsterländer Korn degustieren, konnte dabei die Koordinaten des Feldes („A43, Abfahrt Nottuln, der Acker hinterm Blitzer!“) und das Baujahr des Mähdreschers erschnüffeln. Gleich beim ersten Schlick erstarrte Heinz Weißenberg in, nun ja, Ehrfurcht? „Der Heini braucht ganz schnell einen Konterkorn“, rettete ihn Augustin Upmann.

Amüsant nahmen die Kabarettisten die lukullischen Bräuche ins Visier und feuerten treffsicher ins heimische Herz. Der Lobgesang konnte daher auch nur mit Kirchenlied-Melodie vollzogen werden: „Danke für die Rindfleischsuppe, danke für dat Schweinelendchen…“

Keine Frage, dass mit dem Schlussapplaus eine Zugabe gefordert wurde. Diese bündelte jedes Klischee über den Westfalen in einem einzigen Gegenstand: im „Fukkepott“. Dieses grauenhaft klingende, von Heinz Weißenberg gnadenlos gespielte „Instrument“ entpuppte sich als Schatzkästchen, hatte es doch „die ganze Leidenschaft des Westfalen“ in sich – in einem einzigen Ton.

Als Weißenberg also mit einem Holzpflock die über den Blumentopf gespannte Schweinsblase bewegte, konnte ich mir nur eine Sache vorstellen, die wirklich im Pott gefangen gehalten wird: der im Moor ausgestoßene, elegische Rülpser eines satten Münsterländers.

Die Bullemänner haben diesen lukullischen Abend wunderbar gestaltet. Am besten sind Weißenberg und Upmann übrigens – unterstützt von der ebenso charmanten wie wunderbar zynischen „Tastenfachkraft“ Svoroba –, wenn sie politisches Kabarett in Reinform darbieten. Dann werden sie an den richtigen Stellen richtig gemein, filetieren überragend jene Riten, die sicherlich einige Zuschauer selber zelebrieren (Stichwort Schützenfest, Freiwillige Feuerwehr, Campingplatz) und treiben den  satirischen Nonsens ohne Scham dermaßen auf die Spitze, dass sich wirklich niemand angegriffen fühlen kann. Außer natürlich der AfD, Zusammenschluss „aller Stänkerfritzen aus dem Internetz“.

Info: Interessierte Veranstalter, die das Programm „Schmacht“ in Kombination mit Speisen und Getränken vom Münsterland-Siegel präsentieren möchten, melden sich bitte unter info@muensterland-qualitaet.de 

Text und Fotos: Miriam Lethmate

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