Frauen-Power bei Pott´s

Lara Jürgens, Sabrina Welz und Sara Auschra. Foto: Pott´s Brauerei

Diese drei jungen Frauen haben immer ein Gesprächsthema und werden ständig nach Tipps gefragt – oder nach Kostproben. Sabrina Welz, Sara Auschra und Lara Jürgens sind Spezialistinnen für Bier und dessen Herstellung.
Sabrina Welz hat kürzlich ihre Ausbildung zur Brauerin und Mälzerin in der Pott’s Brauerei in Oelde abgeschlossen und wurde als Gesellin direkt ins Team übernommen. Sara Auschra befindet sich im zweiten Lehrjahr, Lara Jürgens hat die Ausbildung gerade begonnen. Seit drei Jahren gibt es bei Pott’s also keine männlichen Azubis zum Brauer, sondern Frauen, die den Beruf der Brauerinnen erlernen.

„In der Berufsschule in Dortmund waren wir vier Frauen und 36 Männer. Das ist erstmal ungewohnt, aber wir wurden akzeptiert und waren alle auf einer Ebene“, erzählt Gesellin Sabrina Welz im Gespräch mit dem Münsterland-Siegel. In diesem Netzwerk haben sich über 70 Lebensmittelbetriebe zusammengeschlossen, deren Produkte nachweislich im Münsterland geerntet, erzeugt oder veredelt werden oder in deren Restaurantküchen überwiegend mit Produkten aus dem Münsterland gearbeitet wird. Die Pott’s Brauerei war 2009 Gründungsmitglied des Netzwerks.

„Dass wir jetzt die dritte Auszubildende in Folge haben, war Zufall, wir haben nicht gezielt gesucht. Aber die drei hatten die besten Qualifikationen, das hat einfach gepasst“, sagt Braumeister Peter Wienstroer, der mit seinem Kollegen Daniel Hefele die drei Frauen im Betrieb ausbildet.

Die Vorstellungen von einer Unterteilung in sogenannte Männer- und Frauenberufe sind überholt. Von solchen Klischees wollen die drei Auszubildenden verständlicherweise gar nichts hören. Es sind eher Kleinigkeiten, die zeigen, warum früher fast nur Männer in den Sudhäusern als Brauer gearbeitet haben.
„Die Ausbildung war zu meiner Zeit körperlich viel anstrengender. Da mussten auch mal 100-Liter-Fässer abgefüllt und bewegt werden. Heute läuft ja vieles maschinell“, sagt Wienstroer, der seit über 40 Jahren in der Brauerei tätig ist.

Gerade dieser Umschwung auf die Technologisierung ist es, der die drei Frauen reizt. Sabrina Welz erlebte 2018 den Umzug der Altstadt-Brauerei ins neu erbaute, gläserne Sudhaus mit neuem Sudwerk, ihr Lieblingsbereich.
Auschra beschäftigt sich gerne mit der Arbeit in der Fassabfüllung: „Obwohl viele Kollegen das nicht so mögen. Aber ich finde es spannend, mich in die Technik reinzufuchsen und mit der ganzen Anlage auseinanderzusetzen.“

Und Neueinsteigerin Lara Jürgens ist beeindruckt von der Größe des Betriebes: „Hier laufen viele Produktionsschritte maschinell ab, das ist eine spannende Herausforderung. Es ist doch alles viel größer als zuhause.“
Zuhause, das ist die Brauerei Stiefel Jürgens in Beckum. Seit 1680 wird diese in heute sage und schreibe neunter Generation von der Familie Jürgens geführt. Die 19-Jährige setzt diese Tradition also fort. Bei Pott’s hat sie die richtige Mischung aus althergebrachtem Wissen und moderner Produktion gefunden, die ihr für die Ausbildungsstelle wichtig war.

Lara Jürgens kennt sich seit ihrer Kindheit bestens aus: Ihrer Familie gehört seit Jahrhunderten die Brauerei Stiefel Jürgens in Beckum. Foto: Pott´s

Sechs Vorfahren des heutigen Geschäftsführers Jörg Pott haben die 1769 gegründete Brauerei geleitet. Seit nun zehn Jahren ist der 39-Jährige am Ruder, hat den Umbau zur Gläsernen Erlebnisbrauerei gestaltet.
Vor Corona kamen jährlich rund 20.000 Gäste nach Oelde, um sich die Brauvorgänge aus nächster Nähe anzusehen. Bei einer solchen Führung ist die Lünerin Sara Auschra auf den Geschmack gekommen.
Ursprünglich im sozialen Bereich tätig, wollte die 27-Jährige unbedingt noch ein Handwerk lernen. „Bei der Führung und Verkostung habe ich mich dann in die Pott’s Brauerei verliebt“, sagt sie lachend.

Die Liebe zur Brauerei, zum Bier und zu den handwerklichen Prozessen eint die drei jungen Frauen. „Wir unterstützen uns gegenseitig. Sabrina hat mir während der Schulschließungen zum Beispiel sehr mit dem Unterrichtsstoff geholfen“, erzählt Auschra.
Für die Auszubildenden hatte diese Phase der gedrosselten Abfüllung während der Pandemie zumindest ein Gutes: viel Zeit zum Ausprobieren und Auseinandersetzen mit Malzen, Würzen, Gärung, Reifung, Filtration und Abfüllung. Selbstverständlich können alle drei Frauen ein richtig gutes Bier zapfen.

„Das Glas immer mit klarem Wasser ausspülen, auch wenn es direkt aus der Spülmaschine kommt“, rät Sabrina Welz. „Niemals in eins durchzapfen“, weiß Lara Jürgens. „Und wirklich nie den Hahn ins Glas“, schließt Sara Auschra lachend.
Ja, diese drei Frauen werden immer ein Gesprächsthema haben, egal ob beruflich oder privat.

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