Bauernhof Fockenbrock

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Wer schon einmal etwas von der münsterländischen Parklandschaft gehört hat, aber nicht so richtig etwas damit anfangen konnte, weiß nach einem Besuch auf dem Telgter Hof Fockenbrock zweifellos, was damit gemeint ist. Der Milchhof liegt mitten im saftigen Grün der Felder und Wälder und unweit von Münster.

Auf dem Hof…
Bei unserem Eintreffen auf dem Hof sind gerade alle ziemlich beschäftigt. „Auf einem Bauernhof ist eben immer viel los, und gleich trifft eine größere Besuchergruppe ein“, erklärt Uschi Fockenbrock, die mich schon mal begrüßt. Sie hat gerade mit Oma Hedwig die westfälischen Schinkenschnittchen für die Gäste geschmiert. Das reichhaltige Kuchenbuffet steht derweil schon fertig bereit und der Kaffeeduft riecht verlockend.

Der Hof Fockenbrock ist ein selbstvermarktender Milchviehbetrieb, dessen Produkte zum Standardangebot in vielen ausgewählten Supermärkten der Region gehören. Die überdimensionalen Milchpackungen mit dem auffälligen rot-weißem bzw. grün-weißem Karomuster und dem Bild vom Hof, die oft vor den Kühlregalen von der Decke hängen sind meist kaum zu übersehen. Dabei haben Manfred und Uschi Fockenbrock erst 2011 mit der Selbstvermarktung angefangen.

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Die Hofgeschichte ist deutlich älter. 1337 wurde der Hof erstmals urkundlich erwähnt. Für die Selbstvermarktung gab damals die Einführung der ESL-Milch den Anstoß. ESL-Milch steht für „extended shelf life“, was so viel heißt wie längere Haltbarkeit im Regal. Heute hat diese Milch das Angebot von frischer Milch weiträumig verdrängt. Die ESL-Milch wird stärker und länger erhitzt, aber nicht so stark wie H-Milch. „Das hat aus Sicht des Handels natürlich den Vorteil, die Milch länger lagern zu können. Frische Milch ist das meiner Meinung nach aber nicht mehr“, sagt Manfred Fockenbrock. „Deshalb stellen wir unsere Milch noch traditionell her. Das heißt, sie wird 15 Sekunden bei 72-74 Grad Celsius erhitzt und ist eine Woche haltbar. An den Geschmack und den Vitamingehalt von frischer Milch kommt keine haltbar gemachte Milch heran.“

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Regionalität als Alternative zum Preiskampf…
Auf der Weide vor dem Hof laufen rot- und schwarz-bunte Kühe sowie junge Rinder. 85 Kühe werden auf dem Bauernhof gemolken. Das ist durchschnittlich eher wenig, erklärt Uschi Fockenbrock. „Wir vermarkten die Milch direkt und regional und erzielen dadurch einen höheren Preis als bei der Großmolkerei. Die niedrigen Milchpreise bedeuten für viele Betriebe das Aus. Einige Orte haben schon ihre letzten Milchviehbetriebe verloren, wo vor zwei Generationen noch mehre Milchbauern gearbeitet haben.

Die Mägen einer Kuh…
Die Wiesen sind saftig grün. „Das Futter für unsere Kühe bauen wir größtenteils selbst an. Es ist nachweislich GVO frei“, erklärt Manfred Fockenbrock. Kühe brauchen jede Menge Futter. Pro Tag frisst eine Kuh um die 75 Kg Futter und braucht bis zu 100 Liter Wasser. Das Futter besteht neben Kraftfutter zum größten Teil aus hofeigenem Futter wie Grassilage, Mais, Heu und Stroh. Zusätzlich wird Bio-Biertreber u.a. von der Pinkus Brauerei aus Münster gefüttert.

Für den Menschen ist das Futter völlig ungenießbar aber das Verdauungsorgan der Kuh ist ganz anders aufgebaut. Dadurch schafft die Kuh es aus Stroh viele Nährstoffe zu ziehen. „Im Grunde füttern wir gar nicht die Kuh“, erklärt mir Manfred Fockenbrock nicht ohne meinen verdutzten Blick zu ernten. „Wir füttern die Milliarden Bakterien die im Pansen, also dem Vormagen der Kuh sind. Die sind nämlich in der Lage das schwer verdauliche Material zu knacken, sodass die Kuh es überhaupt verdauen kann“.

Eine Kuh hat insgesamt sogar vier Mägen und zählt genau wie Schafe, Ziegen, Hirsche oder Giraffen zu den Wiederkäuern. Wiederkäuer schlucken Gras fast unzerkaut herunter wo es im Pansen von den Bakterien zersetzt wird. Bevor der Brei aber im letzten Magen, dem Labmagen landet, gärt es, wird durch die Bakterien zerkleinert, wird wieder hochgewürgt, weiter zerkaut und wieder heruntergeschluckt. Der Vorgang kann sich einige Male wiederholen bis der Futterbrei klein genug ist. Das klingt ganz schön ekelig aber ein Kunststück der Natur ist das alle Mal.

Die Besuchergruppe ist inzwischen angekommen. Nach einer ausgiebigen Kaffee- und Kuchenpause führt Manfred Fockenbrock uns gemeinsam über den Hof. Mir fällt auf, dass der Kuhstall im Grunde offen gebaut ist. „Ist das nicht zu kalt für die Tiere?“, frage ich. „Nein, solange die Tiere keinen Zug bekommen ist das kein Problem. Es hat sehr lange gedauert, sich in die Bedürfnisse einer Kuh hinein zu denken.“ Während andere Tiere wie Schweine oder Hühner es warm brauchen, lieben Kühe es trocken und kalt. Am wohlsten fühlen sie sich tatsächlich bei niedrigen Temperaturen. Selbst Minusgrade machen den Kühen nichts aus. Bei solchen Temperaturen brauchen sie allerdings mehr Futter, um ihre Temperatur halten zu können, erklärt der Milchbauer.

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In der hofeigenen Molkerei…
Dass heute das Interesse an regionalen Lebensmitteln immer weiter zunimmt, ist für die Familie Fockenbrock sehr positiv. „Heute ist es nicht mehr selbstverständlich, dass die Leute noch wissen, wie die Lebensmittel überhaupt hergestellt werden. Wir haben oft Schulklassen oder Besuchergruppen auf unserem Hof. Wir zeigen unsere Arbeit gerne“, sagt Manfred Fockenbrock nicht ohne Stolz. Zusammen mit der Gruppe schaue ich mir von der Besucherterrasse den Kuhstall an. In einem erhöhten Boxenstand mit frischem Heu schauen sechs Kälber neugierig in meine Kamera. Am Stallgebäude angeschlossen, befindet sich die Hofmolkerei. Hier wird die frische Milch verarbeitet. Neben der Frischmilch gibt es auch noch den leckeren Hofkakao sowie die frische Hofsahne, die sich besonders gut schlagen lässt. Das liegt, wie mir Uschi Fockenbrock erklärt, übrigens nicht am Fettgehalt der Milch, sondern am Eiweißgehalt. Die Maschinen laufen gerade auf Hochtouren. Ein Mitarbeiter schiebt gestapelte Milchpackungen in die Kühlung. „Morgen früh um sechs wird die Milch von unseren Fahrern in die Supermärkte gebracht. Wenn das nicht frische Milch ist“, sagt ein Mitarbeiter und lacht.

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Bauer aus Leidenschaft…
Manfred Fockenbrock sagt: „Es gibt nichts besseres, als die Arbeit an der frischen Luft und in der Natur.“ Das glaube ich ihm gerne. Auch für die Söhne scheinen die Eltern hinsichtlich der Berufswahl ein Vorbild gewesen zu sein. „Stefan ist 19 Jahre alt und macht eine Ausbildung zum Milchtechnologen. Er ist im dritten Lehrjahr. Vielleicht bringt er ja mal den hofeigenen Joghurt auf den Markt“, erzählt Uschi Fockenbrock mit einem Lächeln. Henning, 16 ist gerade mit der landwirtschaftlichen Ausbildung gestartet und der älteste Sohn Lucas, 20 Jahre alt, absolviert ein duales betriebswirtschaftliches Studium in Hamburg. Leon ist mit 10 Jahren der Jüngste unter den Jungs und geht noch zur Schule. Nach der ausgiebigen Hofführung verabschiedet sich die Besuchergruppe und winkt uns aus dem Bus zu. Auch ich mache mich wieder auf den Rückweg.

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Hof Fockenbrock GmbH & Co. KG
Fockenbrocks Heide 10
48291 Telgte
Tel.: 02504-77668

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Fotos und Text: Maren Kuiter

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