Westfälischer Hof – bei Kliewe

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Es sind nur wenige Meter von der mediterran-modernen Gartenterrasse „Achterdeck“ des Westfälischen Hofs in Beckum bis man mit den Füßen im saftigen Grün der Werse-Wiesen steht. Doch Thomas Kliewe schafft es nicht so schnell. Er kennt offenbar fast jeden Spaziergänger. Manchen winkt er fröhlich zu oder ruft ein kurzes „Hallo“ herüber, mit anderen hält er einen kurzen Plausch. Auch wenn Beckum mit seinen knapp 37.000 Einwohnern am Rande des Münsterlandes keine Metropole ist: Etwas Neues gibt es hier trotzdem immer. „Ich kenne die Beckumer, und die Beckumer kennen mich“, sagt Thomas Kliewe mit einer Mischung aus Stolz und Entschuldigung. Ja, das wage ich nicht zu bestreiten.

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Der Inhaber des Hotels und Restaurants, das neben dem Namen „Westfälischer Hof“ noch das schlichte „bei Kliewe“ vorangestellt hat, kommt eben von hier. Und „bei Kliewe“ heißt nichts anderes als: Fühlt euch wie zu Hause. Das große Haus, das Thomas Kliewe gemeinsam mit seiner Frau Sabine führt, war früher einmal ein Ackerbürgerhaus mit angegliederter Sattlerei, Polsterei und Kutschenwagenbau. „Mein Vater und Großvater haben diese Berufe gelernt. Ich bin der erste offizielle Koch und Hotelbetriebswirt in diesem Haus“, erklärt Kliewe. Den eigentlichen Anfang mit der Gastronomie machte allerdings der Vater in den 50er Jahren, als er mit der wachsenden Industrie einen Teil des Gebäudes zur Schänke umbaute. Eine Schankerlaubnis gibt es bereits seit 1901.

Münsterlandweit das beste Traditionshaus…
Die knallrote Anker-Kasse des Großvaters steht heute immer noch im Restaurant, ebenso wie andere kleine, liebevoll ausgewählte Details. Drei weitere Um- und Ausbauten bis 2013 machten das Haus zu dem, was es heute ist: Das beste Traditionsrestaurant im gesamten Münsterland. So sieht es unter anderem der Gastronomieführer „Münsterland geht aus“, der seine Bewertung aus über 50 Kriterien sowie der freiwilligen Meinung der Gäste zusammensetzt. Parkmöglichkeiten, Freundlichkeit des Personals, Qualität der Speisen und das Preis-Leistungs-Verhältnis: Alles wird analysiert. In der Kategorie „Traditionshäuser“, die das Restaurant“ bei Kliewe im Westfälischen Hof“ anführt, geht es auch um den Sinn für Geschichte und die Schätze der Region. Doch Thomas Kliewe hat eine ganz einfache Philosophie, um den Grund seines Erfolgs zu erklären: „Wir haben einfach Spaß bei der Sache. Und ich glaube, das merkt man auch.“

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Von Sylt in den Schwarzwald und wieder nach Beckum …
Fünf Köche und drei Auszubildende sind mittlerweile für das zuständig, was Thomas Kliewe seine Herzensangelegenheit nennt: Kochen. Der Chef selbst kommt, wie er bedauert, nur noch selten an den Herd. Das Management des Betriebs nimmt den größten Teil der Zeit in Anspruch. „Gutes Essen braucht gute Zutaten“, sagt Kliewe. Das erreicht er mit Qualität, Regionalität und dem Blick fürs Detail. Selbstverständlich stammen viele Zutaten frisch von regionalen Anbietern – und wenn Thomas Kliewe einmal von der Qualität überzeugt ist, bleibt er ihr treu. „Für gute Qualität sind die Kunden auch bereit, einen gewissen Preis zu zahlen“, sagt Kliewe. Das habe er schon während seiner Ausbildung gelernt. 1982 hatte sie in Ahlen begonnen. Es folgten Restaurants auf Sylt, im Schwarzwald und schließlich das Haus Delecke am Möhnesee. „Nach der Wirtschaftsfachschule für Hotellerie kam irgendwann sogar ein Angebot aus Bangkok, aber dann habe ich mich entschieden, den Familienbetrieb neu auf- und umzubauen – und das war die beste Entscheidung. Es läuft super“, sagt  Thomas Kliewe. Kein Wunder, schließlich ist er nicht nur in Beckum bekannt. Mit seinen Kollegen Josef Willenbrink aus Lippetal-Lippborg, Heiko Weitenberg aus Ennigerloh kochte er in diesem Jahr zum vierten Mal auf der Bühne der Grünen Woche in Berlin. Auch beim Sommerfest der NRW-Landesvertretung im vergangenen Jahr bereitete er mit seinen Kollegen für Hannelore Kraft und die nordrhein-westfälische Politprominenz münsterländische Spezialitäten zu. „Über die Aktion Regionale Speisekarte sind die Kontakte und Freundschaften zu den Köchen in der Region noch enger geworden“, sagt Kliewe und öffnet die Tür zur Küche. Dort arbeiten schon die Köche Michael, Maurizio, Vitali und Karina. Sie bereiten Rinderrouladen mit Bio-Spargel aus der Region und jungen Kartoffeln zu. Die frischen Zutaten stehen schon bereit.

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Küchenchef Michael ist schon seit 1990 im Betrieb und auch Vitali und Maurizio haben ihre Ausbildung schon hier gemacht. „Maurizio war dann wieder ein paar Jahre in Italien, ist aber glücklicherweise doch wieder zu uns zurückgekommen“, sagt Thomas Kliewe und lacht. „Aber im Ernst: Dass viele unserer Mitarbeiter hier schon über 20 Jahre arbeiten, ist für uns natürlich ein gutes Zeichen.“ Und es hat offenbar auch auf den Sohn abgefärbt. „Gerade tourt er noch in Honkong umher und macht nach seinem Abitur eine Work-and-Travel-Pause,  aber im August beginnt er seine Ausbildung im InterContinental Hotel in Berlin“, sagt Thomas Kliewe nicht ohne Stolz.

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Jedes Zimmer eine eigene Themenwelt …
Die 40 Betten des elterlichen Hotels haben vermutlich ihren Anteil daran. Jedes Zimmer hat ein eigenes Thema – stilistisch durchdacht und auf modernstem Stand, aber immer mit historischen Elementen wie dem Holz der Betten. „Alle Bettrahmen sind aus den alten Holzbalken des Haupthauses gezimmert worden“, erklärt Thomas Kliewe. „Dabei wollte unser Schreiner die Balken zunächst komplett glatt polieren, nur hätte man dann von dem alten Charakter des Holzes nichts mehr gesehen. Das war übrigens einer der vielen Einfälle meiner Frau Sabine, die mich im Hotel sehr unterstützt.“ Da stecken im Badezimmer verschiedene Zeitschriften in einem an die Wand drapiertem rosa Flip-Flop oder ein lederüberzogener Holzbock wartet vor einen großen Fototapete mit Industriekulisse auf einen Gast, der mal nicht im bequemen Sofa sitzen will. „Maschinenbau  und vor allem die Zementindustrie sind die großen Themen in unserer Region“, sagt Kliewe.

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Wer sich Beckum nähert, sieht immer wieder Zementwerke, die die Landschaft aus Wiesen, Feldern und den Beckumer Bergen im südlichen Teil des Kreises Warendorf unterbrechen. Wenn man den Geschichten glauben darf, steht die amerikanische Freiheitsstatue auf Beckumer Beton. Heute verbindet die „Zementroute“ und der „Werseradweg“ für Fahrradurlauber die Landschaftsoasen und Steinbrüche mit verlassenen Zementstätten, die sich wie eine Perlenkette durch das Revier ziehen – und bringt dem Haus von Thomas und Sabine Kliewe nicht nur viele Gäste aus dem Münsterland, sondern aus allen Gegenden der Welt.

Noch mehr Eindrücke:

Was Regionalität und Nachhaltigkeit für das Restaurant bedeuten, findet ihr hier …

bei Kliewe im Westfälischen Hof
Weststraße 33
59269 Beckum

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Unbenannt-1Fotos: Maren Kuiter         foto_beckerText: Sabrina Becker

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