Salvus: Tour durchs Hochregallager

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Ein beeindruckender Blick: 34 Meter ist das Lager hoch.

Treue Leser muss man belohnen, am besten mit Außergewöhnlichem. Und so hatte das Münsterland-Siegel einen Ausflug der besonderen Art verlost: ein Rundgang mit enormem Ausblick im Hochregallager (HRL) von Salvus Mineralbrunnnen in Emsdetten. Glückliche Gewinnerin war Petra Schoenfeld, die zufällig in der Nähe wohnt und bereits den Bau des imposanten Gebäudes mitverfolgt hatte. „Ich komme hier öfters vorbei und fand schon diese riesige nackte Stahlkonstruktion beeindruckend. Auf die Besichtigung bin ich jetzt sehr gespannt“, erzählt die Emsdettenerin, und ihre drei Begleiter stimmen ihr zu. Schließlich ist das einzige im Münsterland stehende Hochregallager der Öffentlichkeit normalerweise verschlossen.

Bevor die Tour mit dem Technik-Experten Maik Bothe, Leitung Instandhaltung, los gehen kann, verteilt Yvonne Voigt von der Marketing-Abteilung noch neonorange Accessoires – ohne Warnweste darf kein Besucher das Gelände betreten. Schließlich kurven jede Menge Gabelstapler und LKW über den Hof, vor allem in Hochzeiten wie dem heißen Sommer 2018. Vor dem Hochregallager gibt es eine überdachte Verladezone, in der 150 Europaletten pro Stunde für die LKW bereitgestellt werden. Zudem können stündlich ebenso viele Paletten aus der eigenen Produktion in den Regalen eingelagert werden.

Bevor die Gäste aber das 34 Meter hohe Lager besichtigen, führt sie ihr Weg vorbei an der ebenfalls 2018 neu gebauten Glasabfüllanlage und über den großen Leerguthof. Die neue Anlage sei, wie wir erfahren, dem großen Zuwachs im Glasflaschengeschäft zu verdanken – schön, dass sich der Umweltschutzgedanke bei Unternehmen und Verbrauchern immer weiter durchsetzt. Die Verbraucher, das weiß Yvonne Voigt, honorieren ursprüngliche Lebensmittel, die regional und nachhaltig hergestellt werden.

Werner Schiffgen und Petra Schoenfeld bestätigen diese Tendenz, denn sie haben schon vor ihrem Besuch die neuen „Töftes!“-Limonaden probiert. Hierbei hat Salvus dem Verbraucherwunsch nach kleineren Glasmehrwegflaschen entsprochen, der gerade in der Diskussion um Plastik- und Verpackungsmüll immer lauter wird. „Mir hat Rhabarber total gut geschmeckt“, sagt Petra Schoenfeld.

Nach ein paar kleinen Zwischenstopps, um den Staplerfahrern nicht in die Quere zu kommen, erreichen wir die erste Treppe zum HRL. Selbstverständlich können die Besucher das Innenleben nur von unten betrachten. Die zwölf Mitarbeiter, die im HRL tätig werden dürfen, sind extra geschultes Kletterpersonal und müssen, na klar, schwindelfrei sein. Falls Wartungsarbeiten in der Höhe nötig sind, tragen sie ein Sicherheitsgeschirr und dürfen nur zu zweit den „Aufstieg“ machen.

Petra Schoenfeld hätte allerdings keine Bedenken, auf 34 Metern Höhe herumzukraxeln. „Ich habe auf dem Flugplatz in Rheine mal einen Fallschirmsprung gemacht“, erzählt sie lächelnd. Maik Bothe gibt einen interessanten Hinweis, wie man bei der Arbeit in der Höhe locker bleibt: „Durch die relative Enge der gelagerten Paletten ist es nicht so beängstigend.“ Schließlich stehen die Paletten auf den mehrstöckigen Regalkonstruktionen in 38 Metern Breite dicht gedrängt, ragen 62 Meter in die Tiefe hinein und verwandeln das Lager damit in eine hochautomatisierte Schatzkiste für insgesamt 7,4 Millionen Flaschen.

Und wer die Dimensionen des Gebäudes in noch einer Zahl erfassen möchte: Alleine ein Regalbediengerät in der riesigen Konstruktion aus Stahl und Beton wiegt 20 Tonnen. Dementsprechend gebannte Blicke der Besucher wanderten in schwindelnde Höhen und verfolgten im Halbdunkel die beleuchteten Paletten auf ihren Fahrten durch das Lager. Zwar können die Gäste Fotos und Videos mit ihren Handys machen – das Verschicken muss jedoch warten. „Wenn man zehn Meter rein geht, hat man keinen Empfang mehr. Wir kommunizieren hier nur mit Funkgeräten“, sagt Maik Bothe. Klar: Bei so viel Stahl (338 t!) und Wasser kommt keine Strahlung durch.

Obwohl das Lager vollautomatisch läuft, ist die Arbeit von Menschenhand unabdingbar, vor allem hinsichtlich der Wartung. „Alles, was sich bewegt, wird, teilweise täglich, gewartet, zum Beispiel die Regalbediengeräte oder die Palettenwechsler“, erklärt Maik Bothe auf Nachfrage von Werner Schiffgen.

Sind die Paletten nach unten transportiert worden, befördern sie Elektrohängebahnen aus dem Lager heraus in Richtung Verladezone. Insgesamt gibt es 26 Geräte, die alle Paletten samt Kästen transportieren.

Während unseres Rundgangs herrscht jedenfalls keine Sekunde Stillstand. Und wie es sich für ein veritables technisches Spektakel gehört ist es wirklich, wirklich laut. Aber eben nur innen. Neben der Wettbewerbsfähigkeit sprachen nämlich weitere Faktoren für Verwirklichung des Mammutprojektes: Dauerte das Be- und Entladen vorher noch eine Stunde, nimmt es im HRL nur noch 20 Minuten in Anspruch. So werden die Lärmemission reduziert, CO2 eingespart und das Verkehrsaufkommen gedrosselt. Der Krach innen ist ein kleiner Preis für die größere Ruhe auf und vor dem Firmengelände.

Nach dem Gang durchs HRL fachsimpelt der vierköpfige Besuchertrupp über das Erlebte und lobt die weitere Hinwendung des Familienbetriebs zur Glasflasche. „Man muss beim Einkaufen auf ein paar Sachen achten. Jeder kann ja im Kleinen etwas leisten“, meint Petra Brüning. Da stimmt ihr Werner Schiffgend lachend zu: „Ich habe einen Fleece-Pulli, da steht auf dem Etikett ,Ich war mal eine Flasche.“ Eigentlich hätte er den ja heute anziehen müssen…

Text und Fotos: Miriam Lethmate

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