Deckenbrocks Mimigernaford

Es gibt ein neues Gesicht in Münsters Gastro-Szene: Deckenbrocks Mimigernaford ist die kleine Schwester des altehrwürdigen Kleinen Kiepenkerl und feiert am 3. Juni seine Eröffnung. Geplant war diese für den 18. März. Dann kam Corona. Einige Tage vor dem Lockdown im März durfte ich einen Blick hinter die noch geschlossenen Türen und auf die Vorbereitungen am Bült 23 werfen.

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Ein Prachtstück: nach der Renovierung. Foto: Deckenbrocks Mimigernaford

Die Handwerker arbeiten auf Hochtouren und Geschäftsführer Moritz Ludorf bespricht mit seiner Mutter Sabine Deckenbrock die letzten Details zu Inneneinrichtung und Außenterrasse. Das denkmalgeschützte Haus aus dem Jahr 1750, in dem früher das Traditionslokal E.T. Up′n Bült zu finden war, hat nämlich eine Komplettsanierung erlebt.

Die Tradition der Namenswahl, die direkt zum Schnack einlädt, wird übrigens weitergeführt. Stand E.T. noch für Essen, Trinken, haben sich Moritz Ludorf und sein Team für die historische Version des Städtenamens entschieden. Mimigernaford hieß die erste altsächsische Siedlung, die etwa im 6. Jahrhundert im Bereich des Domplatzes in der Nähe einer der beiden Furten über die Aa gegründet wurde. Laut Stadtmuseum Münster lautet die Übersetzung „Furt der Leute des Mimigern“. Diese kleine Siedlung war die Keimzelle Münsters, so dass der Name des Restaurants den besonderen Bezug zur Stadt würdigt.

„Wir sind froh, dass dieser Standort gastronomisch bleibt und zwar gutbürgerlich mit ausgesuchter deutscher Küche. So etwas brauchen wir in Münster und die Nachfrage ist groß“, sagt Moritz Ludorf. Der 29-Jährige leitet seit sechs Jahren Deckenbrocks Kleiner Kiepenkerl im Herzen der Altstadt und legt viel Wert auf eine regionale, saisonale Küche. Daher sind die Speisen auch mit dem Münsterland-Siegel ausgezeichnet, welches für Qualität aus der Region steht.

Moritz Ludorf
Moritz Ludorf

Im Mimigernaford wird dieses Qualitätsversprechen fortgeführt: Westfälische Klassiker mit modernem Pfiff dominieren neben traditionellen Fleischgerichten die Auswahl. Töttchen, Sülze, Tafelspitz, Hochzeitsuppe, dicke Bohnen, Herrencreme und natürlich edle Brände und Korn erfreuen das Herz eines jeden Gastes, der ein Mahl genießen möchte, das schönste alte Erinnerungen weckt.

„Wir bieten hier die verschlankte Variante der Karte aus dem Kleinen Kiepenkerl an. Wenn Gäste aber bestimmte Wünsche äußern, sind wir anpassungsfähig“, erklärt Moritz Ludorf lächelnd und beantwortet im nächsten Atemzug die Frage eines Handwerkers, der gerade hinter der Theke beschäftigt ist. Von Stress keine Spur. Der gelernte Hotelkaufmann wirkt ruhig, die Vorfreude auf die Eröffnung steht ihm ins Gesicht geschrieben.

Als wir einige Tage später telefonieren, ist ihm die Enttäuschung über die in weite Ferne gerückte Öffnung des Mimigernaford natürlich anzumerken. Trotzdem: Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeiter und Gäste sind das höchste Gut, da gibt es bei Familie Ludorf/Deckenbrock überhaupt keine Diskussion.

Beachtlicherweise wird Moritz Ludorf direkt zu Anfang der Corona-Krise aktiv und kreativ und hebt schon am 14. März mit mehreren Kollegen das Portal www.hungrig.ms aus der Taufe. Dieses Bestell- und Liefersystem für Münsters Innenstadt war ursprünglich für Herbst 2020 geplant, bietet im Lockdown aber eine Chance, weiterhin einen kleinen Gewinn zu erwirtschaften. Die Münsteraner danken es ihren Gastronomen und bestellen quasi im Akkord.

Während meines Besuchs am Bült sind die Schatten der nahenden Schließungen zwar zu erahnen, so ist das Tagesgeschäft im Kleinen Kiepenkerl bereits eingebrochen, aber die Bauarbeiten laufen selbstverständlich so lange wie möglich weiter. Das Lokal hat bereits eine gemütliche Anmutung. Viele Details wie die blau-weißen Fliesen huldigen dem Charme des Münsterlandes, wobei der originale Kamin sicherlich das Herzstück ist.

Familiär und behaglich wird es werden, mit viel Holz, unverputzten Backsteinwänden und satten, erdigen Farben unter den jahrhundertealten Deckenbalken. Kronleuchter, antike Tapeten und eine in die Upkammer-Wand einzubauende phänomenale, historische Tür geben dem verwinkelten Gastraum den letzten Schliff. In normalen Zeiten hätten hier rund 55 Gäste Platz, im lauschigen Biergarten zudem ca. 40.

Die Eröffnung am 3. Juni im Zeichen der Corona-Schutzmaßnahmen wird somit zu einem Spezial-Event in kleiner, feiner Runde. Aber irgendwie passt das ja auch zu einer kleinen Schwester. Also: Viel Erfolg, liebe Mimi!

  • Öffnungszeiten: mittwochs bis sonntags 17 bis 24 Uhr
  • Reservierung unter mimi-ms.de oder 0251 43235
Deckenbrocks Mimigernaford
Bült 23

48143 Münster

Telefon: +49 (0)25 1 – 43235

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Text und Fotos (soweit nicht anders angegeben): Miriam Lethmate

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