Paula Pumpernickel präsentiert …

Es ist alles so aufregend! Treue Leser und Menschen, die regional einkaufen, wissen es schon: Seit Juli darf ich gemeinsam mit der Feinbrennerei Sasse drei super leckere Cremeliköre präsentieren. Herrencreme, Salz-Karamell und Milchkaffee, alle hergestellt von den Lagerkorn-Experten aus Schöppingen und mit rein regionalen Zutaten.

Damit ihr selber seht, wie der Genuss in die Flasche kommt, nehme ich euch jetzt mit auf eine kurzweilige Tour – quasi vom Feld bis zum Hofladen.

Allerdings starten wir stilecht in der Brennerei, Herz des Betriebs. Destillateur Joscha Kemper kontrolliert soeben, ob er vom Vorlauf auf den Mittellauf umstellen kann, während ich an der massiven, angenehme Wärme ausstrahlenden Brennsäule hinaufschaue. Der Mittellauf ist die kostbare Flüssigkeit, aus der hier alle Getränke entstehen. Dieses Rohdestillat mit ca. 85 Prozent Alkohol wird auf seinem Weg in die Cremelikör-Flaschen natürlich noch ein bisschen verändert.

„Genaugenommen müssten wir unsere Tour auch auf dem Malzboden starten. Obwohl der normalerweise nicht für Besucher geöffnet ist“, sagt Sarah Grawe lachend. Die Pressesprecherin der Feinbrennerei begleitet mich heute und macht mit viel Wissen und ungekünstelter Leidenschaft für die Produkte die naturwissenschaftlichen Vorgänge des Brennens greifbar. Also, ab auf den Boden.

Wieder umfängt uns eine angenehme Wärme und schafft ein Backstubengefühl. Oh, dieser Duft! Geräuchertes Malz erfüllt den großen Raum, in dem zahlreiche Säcke lagern. Und, Moment, rieche ich Schinken? Sarah lacht und erklärt, dass zurzeit auch ein Malz, welches über Torf geräuchert und geröstet wurde, für eine Sonderedition hier lagert. Für die süßen Cremeliköre wird dieses aber nicht genutzt.

Neben dem Malz liegt Bio-Getreide: Weizen, Gerste, Roggen, alles geerntet im Münsterland. Ein gefüllter Sack wiegt 25 Kilo. Es ist also durchaus sportlich, die Rohstoffe drei Mal pro Woche in der hauseigenen Mühle zu schroten.

Aus dem Brennschrot entsteht dann mit Wasser die Maische, die in großen Tanks auf dem Hof vor sich hin blubbert. Auch hier draußen duftet es nach Brot, denn Sarah hat flugs die Leiter erklommen, um mir exklusive Einblicke zu gewähren. Durch die geöffnete Klappe des Tanks schaue ich auf mehrere tausend Liter sämiger, dunkelbrauner Flüssigkeit, in deren Bläschen sich das Sonnenlicht bricht.

Drei Tage und drei Nächte gärt die Maische hier bei 22 Grad, erklärt Sarah, während ich die hohe Leiter wieder runterklettere. Durch den Gärprozess entsteht bereits Alkohol, der anschließend aus der Maische herausdestilliert wird.

Dem ewigen Kreislauft der Landwirtschaft ist übrigens auch die Brennerei angeschlossen: Das „Abfallprodukt“ der Maische, die Schlempe, wird als Tierfutter verwendet. Ein benachbarter Landwirt füttert damit seine Schweine und Rinder, deren Dung dann natürlich wieder das Korn gedeihen lässt. „Die Tiere lieben die süße, proteinreiche Schlempe und stürzen sich da regelrecht drauf“, erzählt Sarah.

Jetzt geht’s aber erstmal zurück in die Brennerei, wo das Rohdestillat durch die hohe Brennsäule dampft. Dreißig Prozent des gesamten Destillats sind übrigens der Vorlauf, aus dem bei Sasse medizinischer Alkohol, sprich Desinfektionsmittel, entsteht. Besonders im ersten Corona-Lockdown, als Desinfektionsmittel flüssiges Gold waren, hat die Brennerei mit schnellen Lieferungen vielen medizinischen Einrichtungen die Arbeit erleichtert.

Der Mittellauf, Grundlage aller Produkte hier, ist insgesamt rund sechs Stunden in der Brennsäule, bis er das Geistrohr erreicht. Ob ich mir das mal aus der anderen Perspektive in zwölf Metern Höhe angucken möchte? Was für eine Frage!

Die 52 Stufen hoch sind schnell geschafft, aber nach einer Minute oben lege ich meine Jacke doch schnell zur Seite. Muckelig warm ist es hier neben den letzten drei Metern der Feinbrandkolonne, die 32 Töpfe umfasst.

Das Kornfeindestillat – mit 91 bis 96 Prozent Alkohol hat das mehr als ordentlich Wumms – wird für die Cremeliköre mit Wasser auf 17 Prozent gemischt. Dieser Bestandteil verleiht den Produkten übrigens auch eine edle, weiche Note: Das Wasser stammt direkt aus der Quelle des Schöppinger Berges und wird durch Baumberger Sandstein gefiltert.  

Das Brunnenhaus steht am Eingang zum Kräutergarten, wo Sarah und ich nun eine Pause einlegen. Die Sonne scheint, der Wind streift durch die Pflanzen und auffällig viele Hummeln summen um hübsche, sanft blaue Blumen herum. Die gemeine Wegwarte mit ihren zarten Blüten ist also ein Bienenmagnet – und wird daher im nächsten Frühling auch in meinem Garten blühen.

Ich kann euch den wunderschönen Kräutergarten als perfekte Kulisse für ein, zwei Schlückchen Likör nur empfehlen. Auch die Destillateure haben hier den einen oder anderen Testlauf für „Paula Pumpernickel präsentiert“ unternommen.

Besonders die Kreation des Herrencreme-Likörs war für die Mitarbeiter eine absolute Herzensangelegenheit. Allen Menschen aus dem Münsterland muss ich dazu nicht mehr erklären. Allen anderen sei gesagt: Die Herrencreme ist hier bei uns ein kleines Heiligtum. Keine Hochzeitsfeier, kein Weihnachtsfest, kein Ostersonntag kann ohne die legendäre Nachspeise funktionieren! Ebenso pikant wie liebenswert: Jede Familie hat scheinbar ihr höchsteigenes Rezept. Natürlich ist die Grundlage ein Vanillepudding, natürlich müssen Rum und Schokolade rein. Aber ansonsten: ähm … Familiengeheimnis!

„Wir haben drei Wochen an der Ausmischung getüftelt, bis alle hundert Prozent zufrieden waren. Das ist hier im Münsterland ja ein emotionales Thema“, erzählt Sarah lachend, die als gebürtige Ostwestfälin die rationalen Argumente eigebracht hat. Blockschokolade im Likör zum Beispiel würde nach kurzer Zeit wenig appetitlich aussehen. Daher enthält die Herrencreme ein Destillat aus Kakaobohnen. Sarah rät, frisch geraspelte Blockschokolade über den Herrencremelikör zu geben.

An den beiden anderen Sorten, Salz-Karamell und Milchkaffee, wurde nicht minder getüftelt. Helles Karamell? Dunkles Karamell? Welches Salz? Meersalz? Welche Kaffeebohne? Welches Karamell für Milchkaffee? Ja, es war eine tolle Teamleistung, durch die diese besonderen Sorten herausdestilliert wurden. Jeder Likör, der sich geöffnet übrigens bis zu zehn Monate hält, passt perfekt zu Süßspeisen, Kuchen oder Eis.

Vor allem den jungen Destillateuren Joscha (23) und Luis (19) sind die köstlichen Kompositionen zu verdanken. Luis – übrigens der Destillateur mit einer der bisher besten Abschlussprüfungen – besuchen wir am Ende unseres Rundgangs in der Abfüllung. Hochkonzentriert steht er an der Anlage, die je sieben Flaschen gleichzeitig befüllen kann.

Wohlgemerkt, es wird wirklich jede Flasche per Hand gefüllt und verkorkt. Lassen wir Luis also in Ruhe weiterarbeiten und schauen noch schnell am Fließband vorbei. Dort liegen für die heutige Produktion Salz-Karamell-Etiketten bereit. Das ist die letzte Station, bevor die Flaschen in den Verkauf gehen, und auch hier wird jede Flasche nochmal einzeln geprüft und in Augenschein genommen. Echte Handarbeit, vom Feld bis zur fertigen Flasche also.

Ehrensache, dass ich mir im Hofladen eine Extrarunde gönne. Mitten im Raum stehen hübsch drapiert alle drei Sorten auf einem massiven Holztisch, gesäumt von Birkenholz und Trockenblumen. Zu meinem großen Entzücken liegt im Vordergrund eine antiquarische Agfa-Kamera. Und in der Zugluft schwingen Mobiles mit meinem Konterfei – jetzt färben sich meine Wangen doch ein bisschen rot. Also, die Ergriffenheit schnell mit Tatendrang kombinieren und von jeder Sorte drei Flaschen ins Körbchen gelegt. Würdiger Abschluss eines aufregenden Tages. Ich freue mich schon auf den Genuss heute Abend!

Fotos: Titelbild und Nahaufnahmen Blockschokolade/Herrencreme/Salzkaramell: Feinbrennerei Sasse/Matthias Höing

Text und weitere Fotos: Miriam Lethmate

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