
Gemeinsam lachen, aufmerksam zuhören, necken, diskutieren, ermutigen – und ganz oft die Ideen der anderen aufgreifen, weiterdrehen: Lucas, Henning und Stefan Fockenbrock lassen im Gespräch jene Energie aufleben, die die Dynamik des Dreiergespanns vermutlich schon seit Kindertagen ausmacht.
Wir sitzen gemütlich auf der Terrasse des Münsterländischen Bauernhauses, der Blick geht direkt auf die große Weide. In den kurzen Gesprächspausen hört man lediglich das Muhen der Kühe und Vogelgezwitscher, denn der Biohof Fockenbrock liegt wirklich idyllisch, abseits von Telgte mitten im Grünen. Uschi und Manfred Fockenbrock bewirtschaften den Milchhof in 17. (!) Generation – schon 1337 wurde er erstmals urkundlich erwähnt – und haben hier ihre Söhne großgezogen. Der vierte im Bunde hat mit 18 Jahren gerade erst den heimatlichen Hof verlassen, die drei Großen sind dafür zurückgekehrt.




Mit allerlei Ideen, um den Betrieb bestens auf die Zukunft vorzubereiten. Lucas (29) ist Betriebswirt, pendelt beruflich bedingt noch zwischen Hamburg und Telgte. Stefan (27) ist Milchtechnologe und Molkereimeister und leitet den Familienbetrieb gemeinsam mit seine Eltern. Henning (24) ist Agrar-Ingenieur und Bio-Landwirt. Joa, das ist geballte Expertise, um später mal für die Übernahme des Biohofs startklar zu sein.
Mindestens ebenso wichtig ist diese Expertise jedoch für das Hauptprojekt der drei Jungs. Seit 2023 sind sie nämlich die Ährenbrüder. Ihre Mission ist keine andere, als eine Brücke zwischen veganer Lebensweise und deutscher Landwirtschaft zu bauen, damit die Produkte nicht mit Zutaten aus dem Ausland hergestellt werden müssen. Zwei Sorten Bio-Haferdrinks, Bio-Popcornmais und Bio-Popcorn haben die Brüder entwickelt. Alles wird im Münsterland hergestellt, mit Bio-Getreide von den eigenen Feldern in Telgte.



„Die Ernährungswende hat ja längst begonnen. Geschmacklich ist vieles schon top. Jetzt geht’s um die Inhaltsstoffe. Unsere Produkte sind Bioland-zertifiziert und komplett clean. Es gibt im veganen Segment aber leider noch zu viele, sagen wir mal, Zusatzstoffe-Cocktails“, erklärt Lucas eine Besonderheit. Denn in der Ährenbrüder-Philosophie gibt es keine chemischen Pflanzenschutzmittel oder chemisch-synthetischen Düngemittel auf den Feldern. Die Produkte enthalten keine Zusatzstoffe wie Soja und Dikaliumphosphat, keine Stabilisatoren, Aromen oder Emulgatoren.



Und das schmeckt man einfach! Natürlich wird heute gekostet, die Brüder haben Kaffee gekocht, die Haferdrinks stehen bereit. Ich habe super nette, fachkundige Unterstützung: Lena vom Foodblog Good Food of Münster ist gelernte Barista und bekennender Fan der Fockenbrock-Milchprodukte. „Wenn es eure Milch in einem Supermarkt nicht gibt, dann gehe ich woanders einkaufen“, erzählt sie den Brüdern lachend. Denn im Kaffee liebt Lena den Geschmack von Kuhmilch. Müsli, Porridge oder Shakes macht sie hingegen lieber mit Haferdrinks. Von der Schäumbarkeit der Haferdrink-Barista-Edition ist Lena dann aber doch beeindruckt.
„Viele Betriebe mischen Soja in den Haferdrink, um durch den Proteingehalt eine Schäumbarkeit zu erreichen. Unser Haferdrink Barista enthält weder Soja noch Dikaliumphosphat, das andere Betriebe für die Schäumbarkeit und Konsistenz hinzufügen – und das übrigens nicht gut für die Nieren ist. Unser Drink braucht das nicht, er schäumt aber wirklich super“, sagt Henning.
Was ist denn drin in dem Drink, der so schön nussig schmeckt? Lediglich Bio-Hafer von den eigenen Feldern, raffiniertes Bio-Sonnenblumenöl, Wasser und Salz. Klingt einfach, beinhaltete aber natürlich viel Arbeit, viel Grübeln und Tüfteln bis zur perfekten Rezeptur, viele schlaflose Nächte. Über drei Jahre feilte vornehmlich Stefan am Endprodukt. Er verfügte über das größte Wissen, da er bereits 2019 mit seinen Eltern die komplette Betriebsumstellung von konventioneller Landwirtschaft auf Bio gestemmt hatte. Damit ist die Familie Fockenbrock der einzige Bio-Milchhof im Münsterland.

„Es geht uns natürlich auch um einen Betriebsübergang in zehn oder zwanzig Jahren. Zurzeit gibt es das Höfesterben, das ist eine kritische Phase. Wir möchten zukünftig weniger wirtschaftlich vom Tier abhängig sein und einfach auch coole andere Dinge machen“, sagt Lucas. Die rein tierisch ausgerichtete Landwirtschaft werde immer weniger und mit den Ährenbrüdern wolle man Lösungen in der deutschen Landwirtschaft finden, ohne Hafer von US-Großkonzernen, den beispielsweise die Belgier und Schweden oft für ihre veganen Produkte importierten. Im Idealfall wird es Kooperationen mit anderen Bio-Getreidebetrieben aus der Region geben, um die Produkte in die Fläche zu bringen.
Die ein Jahr lang haltbaren Drinks werden bei einem Lohnabfüller im Münsterland in die Getränkekartons gebracht, da der Milchhof die technischen Voraussetzungen für eine antiseptische Abfüllung der Haferprodukte nicht hergab. Milch kann ultrahocherhitzt werden, die ist sofort steril, bei Haferdrinks läuft das Verfahren etwas anders. Nach einigen Versuchen am Hof schwenkten die Ährenbrüder auf einen Spezialisten aus der Region um – Zusammenarbeit für die Qualität.
Besonders stolz sind die drei Brüder auf die neueste Idee: Gab es zuerst „nur“ Popcorn-Mais zum selber aufpoppen, ist seit April 2024 das fertige Popcorn in Supermärkten und vor allem im eigenen Onlineshop erhältlich.

Wie der Hafer wächst auch der Bio-Mais fürs Popcorn auf den Feldern rund um den Hof, die im November abgeerntet werden. Jetzt im Frühsommer sind die Jungs mit der Feldpflege beschäftigt, vor allem mit der Entfernung der Beikräuter – Bioland-Richtlinien bedeuten eben auch mehr Biodiversität. Mit der passenden Fruchtfolge kann man den Nicht-Unkräutern jedoch Herr werden.
Während wir gemütlich zusammensitzen, wirft Henning immer mal wieder einen Blick auf die Wetter-App. Der blaue Himmel soll schon in zwei Stunden gewitterwolkenverhangen sein. Also los – Lena und ich dürfen mit zum Feld, um uns die Arbeit anzuschauen. Der imposante Trecker, der die Beikräuter aus dem Boden herausstriegelt, wird tatsächlich via GPS-Koordinaten gesteuert. Das Lenkrad muss nicht betätigt werden. Die gerupften Kräuter bleiben auf dem Feld und werden nach und nach vom Wind weggeweht.



Im Gegensatz zum Silomais, der schon im September geerntet wird, wächst der Bio-Popcornmais bis November. Für die anstehende Ernte haben die Brüder übrigens eine abenteuerliche Reise unternommen: Die perfekte Erntemaschine, die nämlich nur die Kolben pflückt, hatten sie online bei einem ausländischen Anbieter gesehen. Kurzentschlossen machten sich die drei auf nach Slowenien und kauften kurz vor der kroatischen Grenze den „Tornado“.

Jetzt leuchten winzige, hellgrüne Pflänzchen auf dem großen Acker in Reih und Glied gegen das Braun an. „Aus jeder kleinen Pflanze hier wird mal ein Maiskolben von ungefähr 150 Gramm – das sind zwei volle Tüten Popcorn“, freut sich Henning auf die zweite Ernte im Herbst.
Da sich der Himmel immer weiter zuzieht und wir die Jungs schon lange genug von Feldern und Weiden ferngehalten haben, machen Lena und ich uns auf den Rückweg. Zuhause testet jede von uns sowohl die Ährenbrüder-Produkte als auch die Joghurts und Milchkaffees vom Hof Fockenbrock. Und was soll ich sagen? Uneingeschränkte Empfehlung! Ich bin außerstande, dem süßen oder salzigen Popcorn den Vorzug zu geben. Also erstmal einen Kaffee mit leckerem Haferdrink – schäumt wirklich perfekt – und dann geht’s in die zweite Testrunde.
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Text und Bilder: Miriam Lethmate
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