
Üppig mit Käse gedeckt steht der Tisch im Sonnenschein an einem ganz besonderen Ort: auf der Stallgasse des Milchhofs, nur wenige Meter entfernt von jenen „Damen“, die ursprünglich für den Käse verantwortlich sind – die Kühe der Familie Dieckmann.
In Münster-Gievenbeck betreiben Hendrik und Lisa Dieckmann in dritter Generation den Milchvieh- und Ackerbaubetrieb. Rund 65 Kühe und 60 weibliche Nachzuchttiere leben hier im Boxenlaufstall mit Freigang. Da es seit 2017 eine 24 Stunden geöffnete Milchtankstelle gibt, hegte das Paar schon länger den Wunsch, auch eigenen Käse herzustellen und in den Regiomaten anzubieten.

Fotos: Hof Dieckmann


Eine Käserei zu finden, die Auftragsarbeiten annimmt, war kniffelig, doch mit der Mobilen Käserei May aus Friesland taten die Dieckmanns einen Glücksgriff. Im komplett ausgestatteten Käsereimobil produzierte Agraringenieur und Käsespezialist Martin May die Laibe, wofür er lediglich Wasser und Strom benötigte. Und 1500 Liter der morgens frisch gemolkenen Milch. Nach einem halben Tag war diese durch Handarbeit in 52 Drei-Kilo-Käselaibe verwandelt worden.
„Der Käse wurde zur Reifung fünf Wochen in der Käserei gelagert. Wir haben ihn dann abgeholt und konnten dabei einen kleinen Abstecher an die Nordsee machen“, erzählt Lisa Dieckmann, während ihr sechsmonatiger Sohn sich an sie kuschelt und mit großen Augen den Kühen beim Frühstück zusieht.


Unser Frühstück auf der Stallgasse bietet die vier Käsesorten, hergestellt aus der Milch der uns neugierig beobachtenden Kühe und ausgezeichnet mit dem Münsterland-Siegel: Butterkäse, Naturkäse, Käse mit italienischen Kräutern und mit Bauerngarten-Kräutern.
Wie zufrieden sind Lisa und Hendrik denn nun mit der ersten Lieferung? „Wir haben ihn noch gar nicht selber probiert“, gesteht Lisa lachend. Bisher lagen die Laibe gut behütet auf Fichtenbrettern im Reifekühlschrank, warteten sie doch auf ihren großen Auftritt am 22. Juni. Beim Hoffest lässt die Familie die Käsesorten erstmals in großer Runde verkosten.
Heute wird aber tatsächlich mir die Ehre zuteil, Hendrik und Lisa bei der ersten Verkostung ihres eigenen Käses Gesellschaft zu leisten. Selbstverständlich habe auch ich jede Sorte probiert und war sehr begeistert! Besonders schmackhaft sind die Kräutersorten.



Der Käse mit italienischen Kräutern wie u.a. Basilikum, Thymian, Paprika und Knoblauch schmeckt einfach nach mediterranem Urlaub. Kerbel, Borretsch und Koriander verleihen dem Bauerngarten-Kräuterkäse eine sehr aromatische Note. I-Tüpfelchen ist für mich die essbare Naturrinde ohne Wachsschicht, die einem das lästige Entfernen der Rinde erspart. Ein Blick in die Gesichter der jungen Käseherstellenden verrät: Ja, das Produkt erfüllt ihre Qualitätsansprüche zu genüge.
Die treuen Kundinnen und Kunden der Milchtankstelle kommen dann am Samstag in den Genuss. Im kulinarischen Verwöhnpaket sind neben Pommes und regionalem Eis auch Rinderrostbratwürstchen aus Fleisch der eigenen Tiere enthalten. „Wir schlachten immer bedarfsgerecht. Erst, wenn das gesamte Fleisch des davor geschlachteten Tieres verkauft ist und wenn die Nachfrage da ist, lassen wir ein neues Tier schlachten“, sagt Lisa Dieckmann.




Das Münsterland-Siegel ist ebenfalls beim Hoffest vertreten, informiert über regionale Lebensmittel und Restaurants und bietet Kostproben an: knuspriges Goldkrusten-Brot der Bäckerei Geiping aus Lüdinghausen mit Konfitüren von Bio-Pur aus Coesfeld und Honig der Imkerei Gerdes aus Havixbeck. Letzteren gibt es im Regiomaten oder, mit etwas Glück, bei der großen Tombola.
Die gesamten Einnahmen spenden Lisa und Hendrik dem Wünschewagen des Arbeiter-Samariter-Bundes. Selbst vor Kurzem zum zweiten Mal Eltern geworden, möchte das Paar das Fest nutzen, um Schwerstkranken und deren Familien kostbare Erlebnisse zu schenken, einen letzten großen Wunsch zu erfüllen.
„Wir spenden alle Einnahmen aus der Tombola dem Wünschewagen. Und wenn jemand den Wunsch hat, einen Tag auf dem Bauernhof zu verbringen, Trecker zu fahren oder Kühe zu streicheln, ermöglichen wir das auf jeden Fall“, sagt Lisa Dieckmann.
Auch über den Hauptpreis der Tombola haben sich die jungen Eltern Gedanken gemacht. Die Fahrt mit einem Heißluftballon knüpft an die Idee an, die auch den Wünschewagen ausmacht: Menschen einen lang ersehnten Traum zu erfüllen.



Wir schlendern rüber zur Weide am Offenstall, auf der wegen der Temperaturen über 17 Grad lediglich vier Kühe grasen. Die Tiere können den Stall nach Lust und Laune verlassen, doch die Wärme behagt ihnen nicht. Hendrik hat aufgrund der Erfahrungen aus den vergangenen heißen Sommern sogar die Tagesstruktur umgestellt. Die Tore des belüfteten, kühlen Stalls wurden bei über 30 Grad erst geöffnet, wenn die Tiere die lauen Abende genießen und auch die Nächte auf der Weide verbringen konnten.




Der heutige Sonnenschein hält auch Rosi im Stall, doch als Lisa sie beim Namen ruft, trabt die siebenjährige Kuh sofort heran. Rosi hat am Hof Wohnrecht auf Lebenszeit, ebenso wie Lena, die Kuh des älteren Sohnes. „Das sind quasi Lisas und Pauls Haustiere“, sagt Hendrik lachend.
Wer Rosi, Lena und ihr Zuhause kennenlernen möchte, sollte also am 22. Juni zwischen 12 und 18 Uhr zum Milchhof kommen – und bitte fleißig Tombolalose kaufen.
Text und Fotos (soweit nicht anders angegeben): Miriam Lethmate





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