Hofgarten Zur Alten Eiche

Florian Reckers mit seinem Lastenrad unter der Alten Eiche auf dem Hof der Familie

Im Schatten der über 100 Jahre alten Eiche erinnert sich Florian Reckers an seine Oma. Hier auf dem Hof, der nun ihm gehört, hatte Oma Änne Gemüse angebaut. Die Ernte, die nicht für die eigene Familie benötigt wurde, brachte sie mit der Pferdekutsche zu den Märkten in und um Greven.

„Eigentlich bewirtschaften Monique und ich den Hofgarten heute in dieser Tradition“, sagt der 32-Jährige.

Von der Stadt zurück ins Grüne, das war die Idee der beiden, als sie 2019 Florians elterlichen Hof am Postdamm im Nebenerwerb übernahmen. Der Traum dahinter: die Landwirtschaft auf den Hof zurückzuholen und Gemüse auf ökologischer Basis anzubauen – der „Hofgarten Zur Alten Eiche“ wurde zum Leben erweckt. Das Konzept des damit verbundenen „Market Gardening“ passte perfekt, da auf engem Raum und mit hohem Ertrag sehr vielfältig und kleinteilig Gemüsesorten angebaut werden.

Florian und Monique Reckers im langen Folientunnel

Der Industriemechaniker und die Sozialversicherungsfachangestellte wälzten Lektüre, klickten sich quer durchs Internet, telefonierten viel, holten sich Ratschläge von Freunden und natürlich Florians Eltern, die weiterhin mit auf dem Hof leben und „uns unterstützen, wo sie nur können“, so Monique. „Meine Schwiegermama ist auch ganz gartenverliebt, wie ich.“

Den ursprünglichen Gemüsegarten hatte Florians Oma Änne noch bis ins hohe Alter bestellt, der Enkel wuchs daher mit täglich feldfrischem Gemüse auf – und verschmähte es nicht, sondern wusste die guten Dinge vor der Haustür zu schätzen. So wie heute seine beiden Kinder, die mit zwei und vier Jahren schon spielerisch und begeistert im Garten helfen. Vor allem freitags, denn dann ist Erntetag.

Monique ist in Elternzeit, konzentriert sich ganz auf die Kleinen und das weitere junge Gemüse. Und sie ist die kreative Kraft auf dem Feld.

„Ich probiere gerne aus und baue auch mal Neues an, vor allem, wenn ich die Pflanze noch nicht so genau kenne“, erzählt die 31-Jährige. So sei der Postelein im vergangenen Jahr super bei der Kundschaft angekommen, ebenso wie der Zuckermais oder der schwarze Rettich.

Der Vertrieb läuft über ein Abonnement. Im Hofgarten erwartet die Kundinnen und Kunden jede Woche eine kleine Überraschung, wenn sie ihre Abo-Kiste abholen. Was wird gerade geerntet, wovon ist viel da? Die Kisten sind immer ein wenig unterschiedlich befüllt, natürlich auch saisonal bedingt. Von April bis Oktober wandern die erntefrischen Produkte in jene Kisten, die im Jahr vorher abonniert wurden und freitags abgeholt werden können. So haben alle Beteiligten Planungssicherheit. Dieses Jahr haben sie ihr Ziel von 50 Abos bereits geknackt. Ab dem Sommer kann man sich fürs nächste Jahr melden oder erstmal eine Probekiste bestellen.

„Wir lieben den persönlichen Kontakt. Manche Kunden fiebern richtig mit, wenn wir was Neues anbauen, oder wenn der Spitzkohl oder die Kohlrabi endlich reif sind“, erzählt Monique.

Seit diesem Jahr bieten die beiden auch einen Fahrdienst in zehn Kilometern Luftlinie rund um den Hof an, da nicht alle Kundinnen und Kunden mobil sind. Anja Mertens, Inhaberin des Caterings „Kleiner Hofladen“ in Ostbevern, war so begeistert vom Gemüsegarten und wollte helfen, die Produkte in größerem Umkreis bekannt zu machen. Anjas Mann Rainer schnackte ein bisschen mit Florian und Monique – kurz danach war der neue Fahrdienst installiert.

Beide Betriebe sind mit dem Münsterland-Siegel ausgezeichnet, da die Produkte im Münsterland geerntet und zubereitet werden. Das Bekenntnis zur Region ist beiden Paaren sehr wichtig: Wer braucht schon Gurken aus Spanien, wenn die schmackhaftesten vor der eigenen Haustür wachsen? Zumal Florian und Monique großen Wert auf den ökologischen Anbau legen.

Der Garten mit frisch Gepflanztem im Vordergrund, umgeben von Bäumen und einem Holzstapel im Hintergrund unter klarem blauen Himmel.

„Wir arbeiten viel mit Abdeckungen der Beete. Ohne Licht keimt kein Unkraut. Gegen die Wühlmäuse sind unsere beiden Katzen das beste Mittel. Und die Kohlmeisen brüten zwei Mal im Jahr direkt an den Beeten, die sind neben dem Regenwurm unsere besten Helfer“, sagt Florian. Doch gerade zu Anfang hatten sie auch mal Verluste durch Schädlinge, bei den Möhren zum Beispiel durch den Drahtwurm.

Jetzt stehen wir am Rand der weitläufigen Beete, wo Florian gerade Möhren geerntet hat. Ordentlich abwaschen und schon schnappt sich das Söhnchen eine. Auch ich darf probieren – genau die richtige Süße und absolut knackig! Feldfrisch schmeckt’s einfach am besten.

Der Schwerpunkt auf regenerative Landwirtschaft gehört zu Moniques und Florians Philosophie: Den Drahtwurm sind die beiden durch Insektenschutznetze anstelle chemischer Pflanzenschutzmittel erfolgreich losgeworden. Zusätzlich kommt auf die Beete Urgesteinsmehl, Geflügeldungpelletsund sie werden mit hocherhitztem, daher unkrautfreiem Grünschnittkompost gemulcht.

Ein Blick auf den Gemüsegarten mit einem Holzgebäude, in dem gelagert, gewaschen und verpackt wird, und einem roten Traktor, umgeben von einem Feld mit grünen Pflanzen und einer Gewächshausstruktur im Hintergrund.

„Es ist alles Handarbeit und wir müssen uns immer informieren und einfach ausprobieren, was am besten klappt.“ Wichtigstes Learning: die richtige Fruchtfolge, klar, und den Boden nicht viel zu bewegen. Die Unkrautsamen werden maximal mit dem Rechen untergepflügt, die neuen Sorten direkt auf die vorhandenen Wurzeln der Vorgängerpflanze gesetzt. So bleibt das empfindliche Bodengefüge weitmöglichst bestehen.

„Das Arbeiten in der Ruhe der Natur erdet mich total, das gibt einem ganz viel zurück. Ich gehe immer aufmerksam durch den Garten. Vorhin habe ich noch ein neues Käferchen gegoogelt – war harmlos“, sagt Monique lachend, erinnert sich aber auch an den letzten Herbst. Wochenlang habe sie Raupen vom Grünkohl absammeln müssen.

Die Jungpflanzen sind spezielle Marktgartensorten in Demeter-Qualität. Monique und Florian kaufen sie alle zwei Wochen bei einer Gärtnerei in Dortmund. Bereits im Herbst des vorhergehenden Jahres sprechen sie ab, was in der jeweiligen Saison geerntet wird. Anfang Juni sind das Kohlrabi, Mairübchen, Spitzkohl oder Frühlingszwiebeln, im Juli dann Gurken, Zuckererbsen, junge Möhren, Salbei und Basilikum.

Den ganzen Frühling und Sommer werden zudem vier verschiedene Sorten Schnittsalate geerntet. Besonderer Service: Sie werden gewaschen und in Tüten abgepackt – stets rote und grüne Salate küchenfertig gemischt. Die finden Kundinnen und Kunden in der kleinen SB-Hütte neben der Hühnerwiese, wo es neben Salaten immer eine kleine Gemüseauswahl und natürlich die Eier der 60 Hühner aus Freilandhaltung gibt.

Ein Unterschied zu Oma Ännes Anbaumethoden sind die mittlerweile zwei 16 und 40 Meter langen Folientunnel, in denen Gurken und Tomaten bestens gedeihen. Florian durfte als Schlosser sein Fachwissen anwenden, hat mit Bekannten alles selbst auf- und ausgebaut. Die erste Ernte war überzeugender Beweis, dass die Belüftung durch Ventilatoren und der Schutz des Bodens mit Hackschnitzen bestens funktionieren.

Ein schöner Service sind Moniques saisonal passende Rezepte zur jeweiligen Ernte: Die Hobbyköchin probiert viele Gerichte selbst aus, kocht natürlich täglich mit dem eigenen Gemüse, passt die Rezepte an und gibt die besten dann an ihre Kundinnen und Kunden weiter.

In den Sommermonaten möchten Florian und Monique nun sogar mit dem Anbau von Wassermelonen beginnen – das perfekte Obst zur heißen Jahreszeit und für die Sommerferien. Eignen Urlaub kann die Familie natürlich erst außerhalb der Saison im Winter machen.

Aber wie sagt Monique so schön: „Ich sehe morgens oft die Rehe springen, es ist einfach eine Idylle. Wir leben da, wo andere Urlaub machen!“

Denn der Hofgarten ist ihre bewegte Auszeit und das grüne Fleckchen Erde unter der alten Eiche ihr ganz eigenes Bullerbü.


INFO: 30 Wochen, von April bis Oktober, gibt es das Gemüse-Abo für 17,50 Euro pro Kiste.

Text und Fotos: Miriam Lethmate


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