Katholisches Bildungsforum im Kreisdekanat Coesfeld

Glänzend liegen die grünen und weißen Spargelstangen in der Abendsonne, umschmeichelt von saftigen Erdbeeren und frischem Rhabarber. Neben den eleganten Hauptdarstellern tummeln sich die unentbehrlichen Helfer auf der Arbeitsplatte: Kartoffeln, Zwiebeln, Schnittlauch, Spinat, Zitronen. Das frühlingshafte Stillleben bildet den Mittelpunkt einer lebhaften Szenerie, in der 13 Hobbyköche eifrig ihre Schürzen binden, leise über die zu erschaffenden Leckerbissen fachsimpeln und gleichzeitig der Regisseurin des Abends lauschen. Julia Thoms ist Köchin mit eigenem Catering-Service und heute in der Familienbildungsstätte Dülmen die Meisterin des Spargels.

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Köchin Julia Thoms (2.v.r.)  kennt so einige Küchen-Anekdoten.

Denn dieser soll innerhalb der kommenden vier Stunden in allen erdenklichen Variationen zubereitet und natürlich auch genossen werden. Möglich wird dies in der geräumigen Küche der FBS, die zum Katholischen Bildungsforum im Kreisdekanat Coesfeld gehört, welches wiederum seit Anfang 2017 Kochkurse mit Produkten des Münsterland-Siegels anbietet.

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Sieben Gerichte hat Julia Thoms für diesen Abend kreiert, einige Zutaten auf dem Hof Grothues-Potthoff in Senden gekauft, dessen Produkte mit dem Münsterland-Siegel ausgezeichnet sind. Regionale Waren zu verwenden bedeutet aber auch, saisonal zu kochen, was nicht immer möglich ist – vor allem, wenn sich durch Schnee zu Ostern und den kältesten April seit 2001 einfach mal alles einen Monat nach hinten verschiebt.

„Im Supermarkt gab es Rhabarber aus Oelde, der sah aber einfach nicht gut aus“, sagt Julia Thoms. Klar, dann geht man auch mal Kompromisse ein. Trotzdem: Den Teilnehmern wird heute Abend Exquisites aus dem Münsterland geboten, wenn sie es denn gekonnt umsetzen. Flammkuchen und Quiche, Suppe und Salat, Mousse und Filet, zum krönenden Abschluss dann… Eis. Ja, alles auf Basis des Königsgemüses.


„Wir machen heute Klassisches, wollen aber auch Neues aus dem Spargel herausholen“, erklärt Julia Thoms dem motivierten Trüppchen und gibt den Startschuss: „Dann bildet doch mal Dreiergruppen. Jede Gruppe übernimmt zwei Rezepte.“ Wer also möchte Spargel garen und panieren, wer den Bärlauch fürs Süppchen pürieren und wer übernimmt die Königsdisziplin des Hauptgerichts: gebratener Spargel, junge Kartoffeln und Münsterländer Schweinefilet mit schmackhafter Pumpernickelkruste – eine Spezialität der jungen Köchin.

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Im Kurs sind Singles und befreundete Ehepaare, Eltern und erwachsene Kinder, alle ausgestattet mit einem Glas Sekt oder Münsterländer Bier. Die Paare bleiben natürlich in ihren bewährten Teams. Romantik gehört schließlich auch in die Küche. Oder, wie auf Lichttüten im mit weißen Kerzen und rosa Rosen dekorierten Speiseraum nebenan zu lesen ist: „Kochen ist Liebe“.
Cordula und Andreas beispielsweise nehmen schon zum dritten Mal Tipps aus einem Kurs in der FBS-Küche mit und setzen die Rezepte auch gerne am heimischen Herd um. „Wir kochen gerne zusammen. Ich mache auch mal drei oder vier Gänge, die Zeit habe ich aber nur am Wochenende. Für mich ist das echte Entspannung“, erzählt Andreas. Das Paar beschäftigt sich schon lange mit dem Thema Regionalität, guckt beim Einkauf nach Lebensmitteln aus dem Münsterland.

Manchmal muss Cordula aber auch gar nicht erst suchen: In ihrem Garten wachsen Kräuter und Gemüse, die Eier bekommen sie sogar von eigenen Hühnern.
Während sich das Paar ans Schälen und Schnibbeln macht, fällt mir an der dritten großen Kochstation ein junger Mann auf, dessen Schürze herzallerliebst mit bonbonfarbenen Muffins verziert ist. Er hilft gerade dabei, den Quiche-Teig herzustellen, denn der muss eine Stunde kalt gestellt werden. Bei dieser Erkenntnis brach kurz etwas Hektik aus, aber insgesamt sind rund zweieinhalb Stunden fürs Kochen und Aufräumen eingeplant – passt also. Jannis heißt der 17-Jährige und ist der Sohn von Cordula und Andreas. Eigentlich, so sein Geständnis, mag er ja lieber Schnitzel als Spargel.

Den Kurs mit dem schönen Titel „Das beste Schnitzel der Welt“ hatte Jannis nämlich im Winter mit seinen Eltern hier belegt, doch er lässt sich gerne vom guten Münsterländer Gemüse überzeugen. Jannis will gerade erzählen, warum 17-jährige Jungs seiner Meinung nach kochen können sollten, als schallendes Gelächter neben ihm die Aufmerksamkeit aller Hobby-Köche auf sich zieht: „Ich habe alle sechs Eier in den Quiche-Teig getan. Jetzt lese ich gerade, dass nur eins rein sollte. Dann fahre ich wohl mal kurz zum Supermarkt.“
Es sind auch diese filmreifen Szenen, die den Charme des gemeinschaftlichen Kochens ausmachen. Öfters melden sich Freundeskreise an, entsprechend locker ist die Stimmung. Mittlerweile kommen vermehrt junge Leute vorbei, um im großen Rahmen in den Töpfen zu rühren.


„Das hat sich wirklich gewandelt. Dem Kochen haftet nichts Spießiges mehr an“, erzählt Heike Hoppe, Pädagogische Mitarbeiterin mit zehn Jahren Erfahrung in den Küchen der FBS, die in der abendlichen Ruhe noch organisatorische Arbeiten im Foyer erledigt. „Die Kurse mit den regionalen, saisonalen Produkten sind sehr gut angenommen worden. Teilweise war die Warteliste so lang, dass wir einen zweiten Termin angeboten haben.“

Zurück in der Küche verschmelzen die Düfte von Schalotten, Parmesan, Spinat und Minze aus den verschiedenen Pfannen und Schüsseln zu einem köstlichen Vorgeschmack auf das bevorstehende Sieben-Gänge-Menü. Christina garniert gerade den Flammkuchen mit Crème fraîche und grünen Spargelwürfeln. Die 28-Jährige ist erst nachmittags über die Warteliste in den Kurs gerutscht und freut sich als Vegetarierin umso mehr über die gemüselastigen Rezeptideen. Den zweiten Flammkuchen verfeinert eine ältere Dame mit geräuchertem Speck und erzählt dabei von weiteren Kochkursen, die sie übers Jahr belegt hat. Schließlich zaubert sie jeden Tag etwas Warmes auf den Tisch und probiert dabei gerne die FBS-Rezepte aus.

Das Gespräch kommt auf alte Birnensorten und Pflaumen, da eine Teilnehmerin Ideen für das Obst aus ihrem Garten sucht. Aus dem Stegreif erklärt Julia Thoms eine abgewandelte Variante vom Strammen Max und zwar mit Pflaumenmus, paniertem Toast und gesüßter Crème fraîche. Zu gegrilltem Hähnchen kann sie einen Dip aus Pflaumen, Rosmarin und Hüttenkäse wärmstens empfehlen. Die kleine Runde an der ersten Kochinsel lauscht begeistert. Ok, fast alle. „Das wäre doch was fürs Wochenende“, sagt Cordula zu ihrem Mann. Keine Reaktion. „Hast Du zugehört?“ – „Nein, ich bin doch mit den Brotchips beschäftigt“, antwortet Andreas und fügt grinsend hinzu: „Naja, Männer sind auch multitaskingfähig. Sie können mehrere Probleme gleichzeitig verursachen.“FabiDülmen_Spargel23

Apropos Problem: Julia Thoms begibt sich schnell zur dritten Kochinsel, da könnte nämlich das Karamellisieren des Haselnusskrokants für das Spargeleis ein kleines Dilemma verursachen. „Nein, nein, hier verbrennt nix“, ruft der Übeltäter lachend, woraufhin die Köchin nur trocken erwidert: „Oh doch, ich riech es ja.“

Das Problem ist schnell gelöst, das Dessert gerettet und so langsam beginnen die ersten Teilnehmer mit dem Spülen und Aufräumen, was bei so vielen helfenden Händen zügig gelingt. Das Team „Bärlauchsuppe mit kross gebackener Spargelstange“ hat in der Zwischenzeit den ersten Gang im Speisezimmer angerichtet, wo es sich die gut gelaunte und mittlerweile hungrige Truppe nun gemütlich macht. Julia Thomas schenkt Wein ein, schnell noch ein Gruppenfoto und dann werden die Köche für ihre Mühen belohnt. Und obwohl in solch einem Kurs sicherlich auch der Weg das Ziel ist, freuen sich alle auf die redlich verdiente Tafelei.

PS: Das Rezept für den Spargel-Flammkuchen gibt es übrigens hier (Link).

Info:
Seit mehr als 60 Jahren bietet das Katholische Bildungsforum im Kreisdekanat Coesfeld verschiedene Kurse und Seminare rund um Ernährung und Hauswirtschaft an. Bei den verwendeten Produkten setzt die Einrichtung seit jeher auf Qualität und Regionalität – und bietet seit 2017 deshalb Kochkurse unter dem Münsterland-Siegel an. Das Bildungsforum besteht aus dem Kreisbildungswerk Coesfeld und den fünf Familienbildungsstätten Coesfeld, Dülmen, Lüdinghausen, Selm und Werne. Es ist eine Einrichtung der Erwachsenen- und Familienbildung für individuelles und gemeinsames Lernen in allen Bereichen des persönlichen, sozialen und familiären Lebens. Das Angebot der Einrichtungen ist offen für alle, unabhängig von Weltanschauung und Konfession.
In den Kursen und Seminaren rund um Ernährung und Hauswirtschaft steht die Verwendung regionaler Produkte im Mittelpunkt. Es geht dabei um deren gesundheitsfördernde Zubereitung sowie um die Vermittlung von Kenntnissen zur sauberen Verarbeitung in Punkto Hygiene ebenso wie im handwerklichen Sinne.

Regionalverbund der Katholischen Erwachsenen- und Familienbildung im Kreisdekanat Coesfeld e.V.
Südring 13a
48653 Coesfeld

Telefon: +49 (0)25 41 – 95 26 71
Fax: +49 (0)25 41 – 95 26 76

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Text&Fotos: Miriam Lethmate

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