Gastro-Messe im Dorf Münsterland

Während die blau-orange Flamme aus dem Bunsenbrenner lodert, hält Martin Schütte das Eisen sicher in der Hand. Etwa 600 Grad Celsius hat die Spitze des Stabes nun erreicht, ist bereit für ihren Tauchgang. Einer Tradition im Schmiede-Handwerk folgend versenkt Bier-Sommelier Schütte das heiße Eisen in einem kühlen Bier. Drehen, drehen, drehen – im Strudel steigt die Schaumkrone empor, verströmt einen Duft nach Karamell, nimmt fast die Hälfte des Glases ein.

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Diplom-Biersommelier Martin Schütte: So wird Bier gestachelt.

„Keine Angst, man kann sich nicht verbrennen“, sagt Martin Schütte lachend, als er einem Gast das soeben „gestachelte“ Dinkel-Märzen der Brauerei Pott′s serviert. Das heiße Eisen hat den Restzucker in dem Craft-Bier karamellisiert. Ein warmer, cremiger Schaum krönt nun die Oberfläche, während das Bier kühl bleibt.


Zudem steigen die Röstaromen auf, die dem Geschmack eine zusätzliche würzige Note geben. Noch heute wird die Tradition des Bier stachelns in österreichischen Restaurants vorgeführt. Oder eben im Münsterland, genauer gesagt im Dorf Münsterland in Legden, auf der Premiere der Messe „Gastro-Regio-West“.

Bei dem neuen Branchentreff für Gastronomie und Hotellerie aus der Region war auch das Münsterland-Siegel als einer von ca. 50 Ausstellern am Start. Infos über Gutes aus der Region, über saisonale, frische Lebensmittel und über das Siegel als Wegweiser beim Einkauf und auf den Speisekarten der Restaurants – die Besucher sorgten mit viel Fachwissen für spannende Gespräche am Stand.

Selbstverständlich gab es auch Kostproben: fluffige Minischokocroissants und herzhaftes Laugenkonfekt gefüllt mit Salami, Kochschinken oder (mein Favorit, weil herrlich frisch und würzig) einer Frischkäse-Paprika-Creme. Gebacken und garniert von der Bäckerei Geiping in Lüdinghausen. Die meisten Gäste nahmen nicht nur auf ihrem Weg ins Audimax, sondern auch beim Hinausgehen jeweils ein genussvolles Häppchen auf die Hand.

Neben der Pott′s  Brauerei war auch die Privatrösterei Vollmer aus Altenberge mit einem Stand auf der Messe vertreten und präsentierte Münsterland-Siegel-Qualität. Die nachhaltig angebauten und fair gehandelten Bohnen werden in Altenberge schonend handwerklich veredelt. Da ließ es sich Kaffeeröster Josef Küper nicht nehmen, ein Viertelstündchen mit den Vollmer-Kollegen zu fachsimpeln. Denn die Mitglieder des Netzwerks verstehen sich als Kollegen, nicht als Konkurrenten.

Oder, wie Josef Küper sagt: „Es gibt hier doch 80 Millionen potentielle Kunden, da kommen wir schon klar.“ Der Chef der Rösterei Küper in Heiden nutzte die Gastro-Regio-West, um regionale Kontakte zu pflegen und ließ sich natürlich auch von der Neugier leiten.

„Es ist spannend, Neues zu entdecken und dabei auch alte Bekannte wieder zu treffen“, sagte Josef Küper mit einem lächelnden Blick nach links. Direkt neben dem Münsterland-Siegel-Stand sorgten nämlich Uwe Orantek und seine Kollegen vom Köcheclub Münsterland für gute Stimmung. Und Orantek ist zufällig Josef Küpers Nachbar. Das Münsterland ist eben ein Dorf.

Ok, das mögen Heiko Weitenberg und Tom Kliewe etwas anders sehen, waren die beiden Gastronomen aus Ennigerloh und Beckum doch fast anderthalb Stunden unterwegs, um sich auf der Messe umzuschauen. Der Weg hatte sich gelohnt: „Es gab viele gute Gespräche mit Kollegen und einen Austausch über Branchen-Probleme. Das Netzwerken mit Lieferanten und Ausstellern war auch ergiebig. Etwa alle zwei Jahre macht solch eine Messe meiner Meinung nach Sinn“, resümierte Heiko Weitenberg vom Landgasthaus Hohen Hagen, Vorstandsmitglied des Münsterland-Siegel.

Auch die Veranstalter rund um das Dorf Münsterland und den Dehoga Westfalen waren zufrieden. „Wir sind von Anfang an auf großes Interesse gestoßen, in den letzten Tagen mussten wir sogar Anfragen abweisen und eine Warteliste anlegen“, sagte Beatrix Sorko, Projektleiterin der Gastro-Regio-West, über das Interesse der Aussteller. Ebenso sah es bei den Besucheranfragen aus. In der Woche vor der Messe habe man den Kartenvorverkauf stoppen müsse, da die Kapazitäten ausgeschöpft gewesen seien.

Umso mehr freute sich Michael Paeßens von Imping Kaffee aus Bocholt über seine Registrierung in letzter Minute. „Messen sind immer gute Orte der Kommunikation. Ich habe gerade einen äußerst spannenden Kontakt geknüpft“, sagte Paeßens, der die Kaffeerösterei aus dem Münsterland im Februar auf der Gulfood-Messe in Dubai präsentieren darf.

Mit traditioneller Blasmusik der Wald- und Wiesenkapelle Epe wurden die Gäste schließlich um 18 Uhr zur Abendveranstaltung mit einem ausgezeichneten Markt-Buffet und Live-Musik in die ausverkaufte Festscheune geleitet. Dem Vernehmen nach mussten die letzten Gäste nachts um drei zur „Aufgabe“ überredet werden, so Bea Sorko.

Da träumte ich schon von frisch gerösteten Kaffeebohnen, karamellisiertem Bierschaum und frischem Gemüse in allen Farben des Regenbogens aus dem schönen Münsterland…

Weitere Impressionen:

Text und Fotos: Miriam Lethmate

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