Café 1836 in Gronau

In warmen Herbsttönen, Braun, Beige und Dunkelgrün, lädt das neue Café 1836 in der Gronauer Innenstadt seine Gäste ein, es sich gemütlich zu machen. Empfangen werden sie von Lorena Kleideiter und Ralph Schwägerl, die bereits das Restaurant Seeblick am Drilandsee mit ihrer jungen Handschrift verzierten. Mitten im zweiten Lockdown übernahmen sie das Apartmenthotel mit Gastronomie von Lorenas Eltern Ruth und Josef Kleideiter, die noch immer tatkräftig unterstützen. Die Entscheidungen jedoch trifft jetzt die junge Generation.

Und die beiden Endzwanziger sind ziemlich entscheidungsfreudig: Gerade mal eine Woche lag im Frühling zwischen dem Angebot der Eigentümerin eines ehemaligen Shisha-Shops in der Innenstadt und der Zusage von Ralph Schwägerl und Lorena Kleideiter. Im Juni war der Mietvertrag für das geplante Café unterschrieben, Mitte September feierte das 1836 Eröffnung. Die 40 Plätze in dem barrierefreien Café am Kurt-Schumacher-Platz sind seither vor allem zur Frühstückszeit meist belegt.


„Diese einmalige Gelegenheit konnten wir uns nicht entgehen lassen. Die Stadt treibt die Entwicklung des Platzes voran, da passiert jetzt was in der Innenstadt. Außerdem fehlte hier einfach ein gemütliches Café mit regionalen Produkten“, sagt Ralph.

Eine Zahl, die den Traumstart untermalt, ist diese: Stolze 100 Liter Milch flossen am Eröffnungswochenende in die zahlreichen Kaffeespezialitäten. Mit so viel Andrang hatten Lorena und Ralph selbst trotz des Stadtfestes nicht gerechnet. „Da mussten wir zwischendurch noch Milch aus dem Seeblick holen“, sagt Ralph, der den Weg zwischen Drilandsee und Innenstadt nun täglich zurücklegt.


Die feinen Gerichte mit regionalen Zutaten werden nämlich zumeist vom bewährten Team im Seeblick zubereitet. Die handwerkliche Herstellung der Speisen nach Familienrezepten, wenn möglich mit vielen Produkten von nahegelegenen Höfen, liegt dem Betreiberpaar am Herzen. Daher sind beide Gastronomie-Betriebe mit dem Münsterland-Siegel ausgezeichnet. Auf der Karte stehen Quiches, Bowls oder Suppen, die sich bestens für einen light lunch eignen – Leckeres zwischen 10 und 13 Euro, das nicht zu Sofaschwere führt, sondern einen nach der Mittagspause erholt zur Arbeit zurückkehren lässt. Klingt nach Kleinigkeiten? Keineswegs. Die Dicken Stullen sind reichhaltig mit gebratenen Champignons, Pastrami, Rucola, Frischkäse, Räucherlachs und anderen Köstlichkeiten belegt.


Da fügt es sich auch wunderbar ins Konzept des hell, urban und gemütlich gestalteten Cafés, dass man jedes Gericht den ganzen Tag über bestellen kann. Auch das Frühstück. Menschen, die gerne gemächlich in den Tag starten, im Schichtdienst arbeiten oder aus privaten Gründen antizyklische Essgewohnheiten haben, kommt das natürlich zugute. Ebenso wie die Barrierefreiheit. Während ich mit der Joghurt-Granola-Bowl liebäugele, beobachte ich, wie zwei junge Mütter samt Kinderwagen und eine Truppe älterer Damen mit Rollatoren fröhlich und vor allem problemlos aneinander vorbei navigieren, um ihre bevorzugten Plätze zu erreichen.


„Junge Familien, Gäste aus Holland oder Patienten aus dem nahegelegenen Krankenhaus – wir freuen uns total, dass das Publikum so bunt gemischt ist“, erzählt Ralph, während er Kaffeebohnen in eine große Mühle füllt. Nun kommen wir natürlich auf die Frage, die die beiden schon mehrfach gehört haben: Was hat es mit dem Namen des Cafés auf sich? Keine Jahreszahl verbirgt sich dahinter, sondern eine essenzielle Grammangabe. Wegen des Brühverhältnisses 1:2 steht 1836 für die perfekte Menge Espresso.

„18 Gramm Kaffeemehl ergeben genau 36 Gramm – oder Milliliter, das kommt aufs Gleiche raus – Espresso“, erklärt Ralph, der kürzlich die Barista-Ausbildung bei der internationalen „Specialty Coffee Association“ (SCA) in Bremen absolvierte und dort auf den Namen kam. Die SCA ist übrigens die einzige Organisation, die international agiert und in ihrer Kaffeelehre definierte Standards hat, so dass nur dort Ausgebildete sich offizielle Barista nennen dürfen, erklärt Ralph.

Für das 1836 hat er sich einen Herzenswunsch erfüllt: die High-End-Kaffeemaschine der Firma La Marzocco, in einer Spezialanfertigung schwarz lackiert, thront auf dem eigens für sie gebauten Tresen und erfreut Team und Gäste gleichermaßen mit exquisiten Kaffeespezialitäten. Der Renner sei zurzeit der Iced Mango Matcha Latte, aber auch die Specialty Coffees –ein Begriff für die höchste verfügbare Kaffeequalität –seien sehr beliebt, zumal man diese in kleinen Proben testen und sich dann für die Lieblingsvariante entscheiden kann. Passend dazu bestellt man am besten die von Koch Josef Kleideiter nach Familienrezepten gebackenen Kuchen und Torten und genießt die perfekte kleine Auszeit.

Kaffeeforschung betreiben Lorena und Ralph demnächst übrigens auch außerhalb des Münsterlandes. Ende des Monats heiraten die beiden –die letzte Hochzeit, die im Seeblick gefeiert wird – und begeben sich auf Hochzeitsreise nach Costa Rica. Ganz bestimmt schauen die beiden dort auch auf der einen oder anderen Kaffeeplantage vorbei, um mit neuen Inspirationen nach Gronau zurückzukehren.

Öffnungszeiten: Mo-FR 9:30 bis 18 Uhr und SA 9:30 bis 17 Uhr.

Text und Fotos: Miriam Lethmate


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2 Kommentare auch kommentieren

  1. Meier sagt:

    Leider nicht am Sonntag geöffnet, auch in Verbindung mit dem neuen Spielplatz, sehr schade in der heutigen Zeit.

    1. Hallo, da das Café an sechs von sieben Wochentagen geöffnet hat, ist es verständlich, dass die Mitarbeitenden auch mal eine Verschnaufpause brauchen. Sonst schau doch im Seeblick vorbei, das hat auch sonntags geöffnet und die Landschaft rund um den Drilandsee ist auch für Kinder toll 🙂
      Viele Grüße nach Gronau!

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