Melonen aus dem Münsterland

Familie Möllers mit Erdbeer-Stiegen am selbstgebauten runden Holztisch unter Bäumen neben dem Hofladen, von links Michael, Luisa, Heiner, Monika Möllers und Hofhund Maja.

Verrückte Ideen muss man manchmal einfach in Angriff nehmen, ohne lange nachzudenken. Vor allem, wenn man damit unbekannte Wege betritt und im eigenen Arbeitsumfeld Pionierarbeit leistet. So kam es, dass Familie Möllers nun in Ochtrup Wassermelonen anbaut! Im ganzen Münsterland gibt es exakt zwei Betriebe, die sich der ungewöhnlichen Frucht verschrieben haben: Die Melonen-Jungs aus Lienen seit 2024 und eben Möllers Erdbeeren – seit sechs Wochen.

Luisa und Michael Möllers haben ihren Betrieb Möllers Erdbeeren letztes Jahr von Michaels Papa Heiner Möllers übernommen und direkt ein paar Neuerungen umgesetzt – mit Unterstützung der Senior-Generation, die sich freut, dass der Betrieb weiter so gut läuft.

Der Erdbeeranbau mit zehn Folientunneln, sieben davon auf Stellagen, bleibt Hauptgeschäft, aber 2024 starteten sie am Hof auch mit dem Anbau von Himbeeren in einem ebenfalls hundert Meter langen Tunneln. Dadurch wird nicht nur die Verkaufssaison verlängert, sondern Michael und Luisa wollten auch ihr Angebot erweitern.

Luisa Möllers erntet Himbeeren in einem Folientunnel, umgeben von üppigen Himbeersträuchern.

Die Kundinnen und Kunden nahmen es gerne an, warum also nicht noch ein bisschen wagemutiger werden? Gesucht wurde eine Frucht, die unverbrüchlich mit dem Sommer verbunden ist, süß, saftig. Und exotisch? Wärme ist in den lichtdurchfluteten Folientunneln ja ohnehin gegeben. Die einstimmige Wahl fiel sofort auf die Wassermelone.

„Einige Erdbeertunnel mit Dämmen waren schon leer, also haben wir vor drei Wochen Melonenpflanzen gekauft. Die waren noch ganz klein“, erzählt Luisa Möllers. Die dreifache Jungs-Mama ist hauptberuflich Krankenschwester, doch ihr Herz hängt ebenso an der Hofarbeit. „Ja, es ist schon immer eine Menge los bei uns. Es macht aber auch wirklich Spaß!“, so die 30-Jährige.

Eine Hand hält eine kleine grüne Wassermelone, umgeben von üppigen grünen Blättern in einem Folientunnel.

In Begleitung von Isabel (13) vom Schlaun-Gymnasium in Münster, die heute ein Praktikum bei mir macht, gehe ich im Folientunnel an der langen Reihe Melonenpflanzen entlang. Tatsächlich sind mir noch nie welche begegnet, nicht im Urlaub und natürlich schon gar nicht mitten im Münsterland. Erste Überraschung: Die Blätter erinnern mich an Gemüsepflanzen wie Brokkoli. Nicht ganz, erklärt Michael, trotzdem die richtige Richtung, denn Melonen gehören botanisch zur Familie der Kürbispflanzen. Ursprünglich stammen sie aus West- und Zentralafrika, wo sie bereits vor über 3000 Jahren geerntet wurden.

So sehr vor allem den Landwirtinnen und Landwirten die Klimakrise zu schaffen macht – für den Anbau der Wassermelone sind wärmere Sommer unabdingbar. Resilientere Pflanzen werden in den kommenden Jahren vermehrt Einzug in die regionale Landwirtschaft halten, nennt das Ehepaar Möllers einen weiteren Grund für die zusätzliche Frucht im Sortiment.

Gibt es denn etwas, auf das man beim Großziehen der Melone besonders achten muss, möchte Isabel wissen. Luisa lacht. „Das wissen wir noch nicht. Wir versuchen es dieses Jahr wirklich einfach aus!“

Eine Nahaufnahme von Melonenpflanzen mit einer kleinen Wassermelone und gelben Blüten im Folientunnel.

Die Pflanzen, die bereits ein feines Wurzelwerk besaßen, wurden gesetzt, danach durften die Hummeln ans Werk. Die Völker des benachbarten Imkers, die in den Tunneln leben, hatten bereits die Erdbeer- und Himbeerpflanzen bestäubt.

Mittlerweile wachsen die ersten Mini-Früchte an den 120 Pflanzen und besitzen bereits die typische hübsche Maserung. Die Dämme sind mit Stroh geschützt, die Wärme kann sich bestens entfalten. Mittels digital gesteuerter Tröpfchen-Bewässerungstechnik wird der Boden zudem optimal feucht gehalten. Spannend: Die sonnengelben Blüten der über den Boden wuchernden Pflanzen sind zurzeit größer als die Melönchen.

Diese haben teilweise eher Pflaumen- oder Tomatengröße. Das Wachstum wird jedoch rasant verlaufen, so dass im August bereits die ersten Früchte geerntet werden können, sagt Luisa. Tatsächlich wachsen an jeder Pflanze fünf bis sechs Melonen.

Bis dahin werden sie neben den Himbeeren und Erdbeeren weiter gehegt und gepflegt, ebenso wie verschiedene Salate, einige Zucchini, Kohlrabi und Möhren. Luisa und Michael haben Spaß daran, Neues zu probieren. Vor allem, seit sie das perfekte Umfeld für die reiche Ente haben: das Beerenstübchen.

Dieser pittoreske kleine Hofladen ist seit einigen Wochen das neue Aushängeschild des Betriebs. Luisa, Michael, Heiner und Monika Möllers samt erweiterter Familie haben monatelang gekloppt, gewerkelt, geschrubbt und gestaltet, um den ehemaligen Werkzeugschuppen und Hühnerstall in ein Juwel zu verwandeln.

Auch hier war wieder Spontaneität das große Glück: „Wir haben einfach angefangen – und zwar vor Weihnachten“, erinnert sich Michael lachend. Mit ihren Söhnen im Alter von 9, 4 und 2 war das also eine herausfordernde Zeit, die sich gelohnt hat. Der Hofladen und seine Auswahl an rein regionalen Lebensmitteln und Dekoartikeln sind richtig toll!

Zu Beginn musste die morsche Decke entfernt werden, der Betonboden gegossen und der Innenraum renoviert. Mit seinem Bruder Bernd zog Michael die schweren Deckenbalken ein. „Hatte ich vorher noch nie gemacht, aber man lernt immer dazu.“

Der Onkel, passenderweise Tischler, half und behielt den Überblick, so dass das Familienwerk Ende Mai, mitten in der Erdbeersaison, vollendet wurde und das 30 Quadratmeter große Beerenstübchen erstmals seine Türen öffnete.

Eine üppige Auslage von Himbeeren und Erdbeeren, jeden Morgen ab 5:30 Uhr frisch geerntet, empfängt die Kundinnen und Kunden direkt am Eingang. Auch sonst gibt es zahlreiche Produkte aus Ochtrup und der nahen Umgebung wie Nüsse, Honig, Äpfel, Kirschen, Limos, Eier, Fleisch, Kartoffeln oder „Nikos und Neles Eiernudeln“ direkt vom Hof direkt. Regionalität ist Familie Möllers seit jeher eine Herzensangelegenheit: gegenseitige Unterstützung der Höfe, Austausch und Aufzeigen, welche tollen Produkte das Münsterland zu bieten hat. Daher ist der Betrieb seit neun Jahren Mitglied im Netzwerk Münsterland Qualität e.V., dem Verbund der münsterländischen Lebensmittelwirtschaft. Alle hofeigenen Produkte sind mit dem Münsterland-Siegel ausgezeichnet.

Zudem kann man sich noch mit allerlei Hübschem eindecken: Gipsdeko, Kerzen, Postkarten, Lavendelkissen. Ein süßer kleiner Spielplatz, den man durch die ursprünglich belassenen Fenster des Hofladens bestens einsehen kann, sorgt dafür, dass sich die Kids austoben können, während die Erwachsenen sich mit Frischem und Schönen eindecken.

Das Highlight ist – ok, neben der Softeis-Maschine, an der sich Isabel direkt bedienen darf – ein großes, aus Birkenholz selbst gebautes Holzregal, verziert mit allen Produkten, die die Familie Möllers aus ihren Erdbeeren und Himbeeren selbst herstellt. Ein Traum in Rosarot aus Marmelade, Likör, Saft, Essig, Chips, Secco und Sauce. Und demnächst eben auch mit saftigen Melonen. Nicht nur aufgeschnitten werden sie das Farbbild perfekt ergänzen.

Öffnungszeiten Beerenstübchen: täglich 7 bis 20 Uhr. Wichtig: Zahlung nur digital/mit Karte sowie Kameraüberwachung, da nicht immer Personal vor Ort sein kann.

Luisa und Michael Möllers stehen vor ihrem Hofladen mit einer Picknickkiste voller regionaler Produkte.
Eine Ansicht der hofeigenen Produkte mit frischen Erdbeeren und Himbeeren, einschließlich Flaschen und Gläsern mit Marmelade, Essig, Sauce und Fruchtsäften, auf einer grünen Wiese.

Text und Fotos: Miriam Lethmate


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