
Mit einer enormen Teamleistung ist der Umbau des Cafés am Hof Grothues-Potthoff in Senden gestemmt worden. Caféleiterin Pia Tekaat erzählt mit einem glücklichen Lächeln, wie sehr diese Zeit alle zusammengeschweißt hat: „Das waren schon harte Wochen im Januar. Im Winter hatten wir hier einen kompletten Rohbau, aber es hat sich mehr als gelohnt.“
Das kann ich nur bestätigen, denn das vormals rustikale Café mit braunem Interieur und 90er-Jahre-Charme hat sich in ein absolutes Schmuckstück verwandelt. Frisch und gleichzeitig gemütlich, stylish und trotzdem warm und freundlich – die Einrichtung in Türkis-Grün, Grau und Pastell hat eine hyggelige Genussoase mit Wohnzimmeratmosphäre geschaffen.


Vorher war jedoch erstmal alles gründlich auf den Kopf gestellt worden. „Das ganze Team hat mit angepackt. Zusammen haben wir drei Tage lang alles rausgekloppt, Theke, Böden, Fliesen, alles“, sagt Hotelfach-Betriebswirtin Pia Tekaat, die die Caféleitung von ihrer Mutter Paula Grothues übernahm. Diese hatte im Alter von 50 Jahren mit viel Engagement ihre Idee umgesetzt, auf dem großen Obst- und Gemüsehof ein Café zu eröffnen. Einen Hofladen gab es bereits, Bäckerei und Konditorei wurden im Lauf der Zeit ans Café angegliedert, krönender Abschluss des Gesamtkonzepts war 2015 die Eröffnung des Hofhotels mit der 2021 gestarteten Fine Dining-Gastronomie „Hasenklee“.

Nun feiert das Hofcafé in diesem Jahr bereits seinen 25. Geburtstag. Ein perfekter Anlass, um frischen Wind und eine für Gäste und Personal angenehmere Atmosphäre zu schaffen. Mehrere Kühlhäuser wurden versetzt, so dass hinter der neuen Theke und in der Küche mehr Platz entstand. Im neu gestalteten Bereich, der den Großteil des Cafés ausmacht, dämpfen nun Schalldecken die Lautstärke. In der WC-Anlage wurden Wände eingerissen und neu aufgezogen, damit eine zweite Personaltoilette sowie ein großes barrierefreies WC samt Wickelmöglichkeit gebaut werden konnte.
Die größte Neuerung ist ein kompletter Anbau für das Münsterländer Frühstücksbuffet, der sich harmonisch ins Konzept einfügt. Lichtdurchflutet, mit einer stilvollen floralen Deckenmalerei und vom Café aus durch ein Fenster einsehbar, ist der Raum exklusiv für Speisen und Getränke vorgesehen.






„Früher mussten wir jeden Mittag umbauen und das Buffet aus dem Weg räumen, um mehr Platz zu haben“, sagt Pia Tekaat, die jeden Handgriff im Café kennt. Mit drei Geschwistern ist die 43-Jährige auf dem Hof aufgewachsen, der seit sage und schreibe 14 Generationen im Familienbesitz ist. Die erste urkundliche Erwähnung des damaligen „Pothoves“ datiert auf das Jahr 1253.
Wie viel diese Historie den vier Geschwistern bedeutet und wie sehr ihnen der Familienbetrieb am Herzen liegt, zeigt die heutige Arbeitsteilung: Alexander Grothues leitet den Obst- und Gemüsebau, Eva Langenkamp leitet den Hofladen (Bilder unten), Pia Tekaat leitet das Café – ihr Mann Marcel Tekaat leitet das Hofhotel – und der Jüngste im Bunde, Elmar Grothues, ist ist der Mann für alles und Geschäftsführer der Firma.






So kann jede/r im eigenen Bereich schalten und walten, was für den Familienfrieden recht bedeutsam ist, allerdings ist eines klar: Die Produkte des Hofes sind immer der gemeinsame Nenner. Spargel, Äpfel, Birnen, Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren, Heidelbeeren, Johannisbeeren, Stachelbeeren werden am Hof angebaut und geerntet. Obst und Gemüse sowie die daraus gefertigten Produkte tragen alle das Münsterland-Siegel, welches Lebensmittel auszeichnet, die nachweislich im Münsterland angebaut, geerntet, erzeugt oder maßgeblich veredelt werden.










Selbstverständlich finden die Gäste die hofeigenen Produkte in allen Bereichen des Betriebes wieder, sei es pur, als Säfte, Marmeladen oder in allerlei Variationen in den warmen und kalten Speisen verarbeitet, besonders in den köstlichen Kuchen und Torten. Sowohl fürs Café, als auch für den Außer-Haus-Verkauf im Hofladen backen die Konditorinnen und Konditoren täglich raffinierte, mehrschichtige Sünden aus Früchten und Fondant, Sahnecreme und Quark, Mürbeteig und Marzipan.

Eine Besonderheit ist die „Torte des Monats“, bei meinem Besuch im März ein Traum aus Pistazien, Himbeercreme, Mandeln, Sahnecreme. Im Café genieße ich das Tortenstück auf dem urgemütlichen Sofa namens „Leni“, bevor ich im Hofladen drei weitere Stücke für die Lieben zuhause erstehe. Leni gesellt sich übrigens zu Lili, ihres Zeichens die opulente hohe Rundbank in Petrol, die den Caféraum elegant unterteilt, sowie zu sehr vielen Mikas – die hübschen Holzstühle in Schwarz und Pastellgrün.





Die Namen stammen von der Stuhlfabrik Schnieder aus Lüdinghausen, wo sich die Geschwister die hübschesten Sitzmöbel fürs Café ausgesucht haben. „Auch alle Handwerker waren aus dem Dorf oder der Umgebung, das war uns sehr wichtig“, sagt Pia Tekaat, die den großen Einsatz aller extern am Umbau Beteiligten lobt. Die Gestaltung des Cafés haben die Geschwister mit der Innenarchitektin von „Hotelident“ geplant, die auch schon im Hofhotel sowie im Restaurant Hasenklee ihr Auge für geschmackvolle Einrichtung bewiesen hatte.
Die Gäste fühlen sich sichtlich wohl im neu eröffneten Café: Dienstagsmorgens, halb zehn, kaum ein Platz ist frei, und die Buffetplatten werden kontinuierlich aufgefüllt. Täglich zwischen 9 und 11:30 Uhr kann man münsterländisch schlemmen, Säfte und Marmeladen wie Apfel-Karamell oder Erdbeere-Minze stammen natürlich vom Hof, ebenso wie das Brot und die Brötchen, die in der hofeigenen Backstube gemacht werden.





„Aufschnitt, Fleisch, Müsli, Mehl kaufen wir möglichst regional ein“, sagt Pia Tekaat. Schließlich gibt es nicht nur das beliebte Frühstücksbuffet (für das man unbedingt reservieren sollte, Kontakt s.u.), sondern auch warme Küche. Seit der Pandemie übrigens durchgehend bis 17:30 bzw. sonntags bis 19:30 Uhr, da dies die Abläufe entzerrt.
Ein Highlight, das ich euch absolut ans Herz lege, ist das Spargelbuffet im Frühling. Start der Saison 2024 war der 5. April. An zehn Freitagen bis zum Spargelsilvester im Juni könnt ihr dem König des Gemüses huldigen, wenn Pia Tekaat und ihr Team die feldfrischen Stangen in vielen Variationen servieren. Auch hier gilt: Ohne Reservierung klappt es nicht. Dieser tolle Zuspruch zeugt nicht nur von der hohen Qualität der Speisen, sondern auch vom Teamgeist und der schönen Atmosphäre im Hofcafé. Da darf das 25-jährige Bestehen zurecht gebührend gefeiert werden.














Text und Fotos: Miriam Lethmate
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